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Herthas Torunarigha: "Hab selten sowas Dummes gelesen!"

26.2.2020 0:29 Uhr

Jordan Torunarigha von Hertha BSC wurde zur Zielscheibe von Rassismus und wehrte sich dagegen mit deutlichen Worten. Nun gab es einen Artikel des Berliner Wissenschaftlers Prof. Dr. Stefan Chatrath zur Rassimus-Thematik und er meinte, man müsse als Profi Beleidigungen aushalten. Torunarigha kommentierte das mit einem Tweet, in dem er mitteilte "Hab selten sowas Dummes gelesen!". Mit der Sichtweise wird Torunarigha nicht alleine sein, zumal sich besagter Wissenschaftler auch in der Vergangenheit eher kontrovers zu Sportthemen einließ und recht exklusiv der Meinung war, man solle im Sport einfach Doping generell erlauben, denn der Sportler schädige sich ja nur selbst.

In dem Artikel des Berliner Wissenschaftlers Prof. Dr. Stefan Chatrath heißt es unter anderem: «Fußballer, die professionell spielen, müssen Beleidigungen aushalten, das gehört dazu.» Auch Hertha BSC machte nicht nur diese These bei Twitter wenig später sprachlos: «Ohne Worte...» Konkret beschrieb Chatrath, der auch Stellvertretender Vorsitzender der wissenschaftlichen Kommission des Landessportbundes Berlin ist, in dem Text unter der Überschrift «Die Leiden des jungen Torunarigha» auch die Vorfälle um den früheren Junioren-Nationalspieler zuletzt beim Bundesligaspiel bei Schalke 04. Dort war der gebürtige Chemnitzer nach eigenen Aussagen rassistisch beleidigt worden.

Wird Chatrath aus der Wissenschaftlichen Kommission geworfen?

«Ja, das mag wehtun, aber die Vorfälle ereigneten sich in einem Fußballstadion, wo es dazugehört, dass der Gegner mit Spott und Häme überzogen wird», schrieb Chatrath: «Natürlich kann ich es auch nicht schönreden, wenn im Stadion jemand Affengeräusche nachahmt, um schwarze Spieler zu beschimpfen. Das ist rassistisch, keine Frage.» Die Zeilen könnten für Chatrath, der für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen war, nun ernsthafte Folgen haben. Wie der Landessportbund auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, wird das Präsidium am Mittwoch «in seiner Sitzung über den Verbleib von Herrn Chatrath in der Wissenschaftlichen Kommission entscheiden».

LSB-Präsident Thomas Härtel distanzierte sich klar von Rassismus: Die Äußerungen Chatraths seien unvereinbar mit dem Leitbild des Landessportbunds. Dieses würde sich gegen «jegliche Form von Diskriminierung, Extremismus, Gewalt und Missbrauch» richten und «Sport als eine Einladung an alle» verstehen. Chatraths Verhalten passt dazu nicht. Der Professor der University of Applied Sciences Europe schrieb von einer «emotionalen Überreaktion von Jordan Torunarigha» beim Spiel Ende Januar in Gelsenkirchen. Weiter heißt es: Torunarigha sei «der einzige, der die Beleidigungen gehört hat». Und weiter: «Wäre es nicht möglich, dass Jordan Torunarigha sich verhört hat?» Für Chatrath sei grundsätzlich im Sport «alles erlaubt, solange der gegnerische Spieler physisch nicht so stark geschädigt wird, dass er ausgewechselt werden muss».

Chatrath und seine eigenartige Sicht der Dinge

Auch bei Prof. Dr. Wolfang Merkle von der University of Applied Sciences Europe kamen die Zeilen nicht gut an. «Das entspricht überhaupt nicht unseren Grundlagen und Überzeugungen», sagte der Prodekan der dpa: «Wir sind selbst ein international ausgerichtetes Unternehmen und stehen vor dem Hintergrund für das Thema Pluralität und Diversität.» Er könne die Aussagen «überhaupt nicht tolerieren. Wir distanzieren uns komplett davon». Ein persönliches Gespräch mit Chatrath habe es noch nicht gegeben, dieses solle aber folgen.

Chatrath fiel in der Vergangenheit schon durch seine ganz eigene Sicht auf die Dinge auf. So regte er auch an, Doping grundsätzlich für alle Sportler zu erlauben. Athleten «dürfen ihren eigenen Körper schädigen, das kann ihnen niemand verbieten, solange wir davon ausgehen können, dass sie eigenverantwortlich handeln», argumentierte der Wissenschaftler.

(ce/dpa)

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