imago images / imagebroker

Heiko Maas: Türkei soll Provokationen im Mittelmeer unterlassen

22.7.2020 9:28 Uhr

Am Dienstag forderte der deutsche Außenminister Heiko Maas in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem griechischen Außenminister Nikos Dendias in Athen, dass die Türkei die Gas- und Ölbohrungen im Mittelmeer einstellen solle. Man erwarte, dass die Bohrungen "beendet werden und dass auch keine weiteren - wo auch immer - begonnen werden." Doch Maas betonte gleichzeitig auch die Wichtigkeit, weiter auf einen "offenen und ehrlichen Dialog" zu setzen. Schließlich sei die Türkei als Natoland und auch bei Migrationsfragen strategisch wichtig. Doch "Fortschritte in den EU-Türkei-Beziehungen sind nur dann möglich, wenn Ankara Provokationen im östlichen Mittelmeer unterlässt", so Maas.

Nachdem ein türkisches Forschungsschiff eskortiert von Kriegsschiffen Kurs aufs östliche Mittelmeer nahm, versetzte Griechenland sein Militär in erhöhte Alarmbereitschaft. Der griechische Außenminister Nikos Dendias beschuldigte dabei die Türkei, die "Rechte der zyprischen Demokratie" zu verletzten.

Die Türkei hatte zuvor Explorationen vor der griechischen Insel Kastelorizo angekündigt. Diesen Bereich würde man als griechische Wirtschaftszone ansehen. Es wird auch berichtet, dass zwei türkische F-16-Jets die Insel und damit griechisches Hoheitsgebiet überflogen haben. Wie das griechische Militär berichtet, seien zudem 15 Kriegsschiffe der Türkei von der Marinestellung Aksaz ins östliche Mittelmeer ausgelaufen.

Gegenseitiger Respekt

Am Sonntag schien man noch auf eine Deeskalation zu setzen. Der Sprecher des türkischen Präsidenten Erdogan, Ibrahim Kalin, erklärte, dass man mit einem neuen Dialog zwischen der Türkei und Griechenland einen "wichtigen Schritt" tun würde.

"Ich kann nicht auf Details eingehen, aber Recep Tayyip Erdogan und sein griechischer Kollege haben miteinander telefoniert. Wir wollen unsere bilateralen Probleme durch Verhandlungen lösen", sagte er gegenüber dem privaten Sender NTV. "Wir sind uns dabei mit gegenseitigem Respekt begegnet und können die Probleme mit Griechenland leicht lösen", erklärte Kalin.

Streit um Erdgas in der Ägäis

Hauptstreitpunkte zwischen Griechenland und der Türkei sind dabei die Erdgasvorkommen in der Ägäis. Diese gehören zu den Sonderwirtschaftszonen von Zypern und Griechenland. Die Türkei steht hingegen auf dem Standpunkt, dass auch der türkische Teil Zyperns ein Recht auf Bohrungen in der Ägäis hat.

Der zweite Streitpunkt ist die Sonderwirtschaftszone, welche die Türkei mit Libyen geschlossen habe. Damit schaffen die beiden Länder defacto einen Korridor im Mittelmeer, ohne Rücksicht auf den Status der Inseln Kreta, Karpathos und Rhodos zu nehmen. Die EU und auch die USA halten das Vorhaben für illegal.

Flüchtlinge aus Syrien

Das dritte Thema sind die Flüchtlinge aus Syrien, die über die Türkei in die EU wollen. Diese werden von der Türkei zurückgehalten und von der EU finanziert. Ankara argumentiert, dass die EU dabei nicht genügen tue und die Türkei mit den Menschen im Stich lässt.

Der Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland ist einer der gefährlichsten an den Rändern Europas. 1996 standen sich in der Ägäis sogar schon türkische und griechische Kriegsschiffe gegenüber. Im September soll sich ein EU-Sondergipfel mit dem Thema Türkei beschäftigen.

(be)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.