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Hat Israel Ziele in Syrien bombardiert?

30.11.2018 11:43 Uhr

Gerüchten zufolge hat die israelische Luftwaffe am Donnerstagabend mehrere Ziele in Syrien bombardiert, dies melden syrische Aktivisten. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, dass die israelische Armee mehrere Stellungen in der Nähe von Damaskus und in der Provinz Kuneitra an der Südgrenze des Landes angegriffen habe. Staatsmedien in dem Bürgerkriegsland meldeten, die Luftabwehr habe alle "feindlichen Ziele zerstört". Israels Armee erklärte dagegen, es habe keine Verluste gegeben.

Die Angriffe hätten eine Stunde gedauert und "mehrere Explosionen" ausgelöst, erklärte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Die Gegenwehr der syrischen Luftabwehr sei "intensiv" gewesen. Über mögliche Schäden oder Todesopfer lagen zunächst keine Informationen vor.

Bei Damaskus sei unter anderem die Ortschaft Kessua bombardiert worden, erklärte Rahman. Dort befänden sich "Waffendepots" der libanesischen Hisbollah-Miliz und "iranischer Einheiten". Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort; ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Syrische Stellungen des Iran und der Hisbollah waren bereits mehrfach Ziel israelischer Luftangriffe. Auch Kessua war nach Angaben der Beobachtungsstelle in der Vergangenheit von Israel bombardiert worden. Dabei seien Kämpfer der iranischen Revolutionsgarden und schiitischer Milizen getötet worden.

Iran und Hisbollah an der Seite Assads

Der Iran und die islamistische Hisbollah sind Erzfeinde Israels und stehen im syrischen Bürgerkrieg an der Seite von Machthaber Baschar al-Assad. Israel will verhindern, dass sich Kämpfer Teherans und der Hisbollah in Syrien dauerhaft festsetzen.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, die Luftabwehr sei bei Kessua "aktiv geworden" und habe die "feindlichen Ziele" ausgeschaltet. Damit bezeichnen syrischen Staatsmedien in der Regel israelische Kampfflugzeuge. Die Angreifer hätten ihr Ziel nicht erreicht, erklärte Sana.

Die israelische Armee widersprach dieser Darstellung, allerdings ohne die Angriffe direkt zu bestätigen. Die Berichte, wonach ein "Flugzeug oder irgendeine andere Maschine" der israelischen Streitkräfte beschädigt wurden, seien "falsch".

Den Armeeangaben zufolge wurde eine syrische Flugabwehrrakete in Richtung einer nicht bewohnten Gegend der Golan-Höhen abgefeuert. Es war demnach aber unklar, ob die Rakete auf den von Israel besetzten Teil der Region zielte. Die syrische Provinz Kuneitra, die ebenfalls Ziel israelischer Angriffe gewesen sein soll, grenzt an Israel.

Russisches Luftabwehrsystem S-300 in Syrien

Am Donnerstagabend sei die syrische Luftabwehr zum ersten Mal seit dem versehentlichen Abschuss eines russischen Militärflugzeugs am 17. September eingesetzt worden, erklärte Abdel Rahman. Damals traf eine S-200-Rakete der Luftabwehr eine russische Iljuschin-Maschine, als sich diese im Landeanflug auf die ostsyrische Provinz Latakia befand.

Alle 15 russischen Soldaten an Bord des Flugzeugs wurden getötet. Die Rakete hatte sich eigentlich gegen israelische Kampfflugzeuge gerichtet, die einen Angriff über Syrien flogen.

Als Reaktion auf den Vorfall stattete Russland die syrische Armee mit seinem Luftabwehrsystem S-300 aus. Die Ausbildung der syrischen Streitkräfte an dem neuen Luftabwehrsystem sollte drei Monate dauern.

Moskau ist ein enger Verbündeter von Assad im Bürgerkrieg. Mit russischer Unterstützung eroberte die syrische Armee mittlerweile fast das gesamte Land von den Rebellen zurück.

(an/afp)