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Hat Islamic Banking ein Wirtschaftspotenzial innerhalb des Bankensystems?

1.7.2020 15:30 Uhr

Der Islam verbietet Zinsen und Glücksspiel. Für einige Gläubige ist es "haram" (auf Deutsch: "verboten"), Geld bei einer herkömmlichen Bank anzulegen. Islamic Banking schließt diese Lücke. Es richtet sich nach der Scharia, nach islamischem Recht.

Im Vergleich mit anderen Banken gibt es wichtige Unterschiede. Im Islamic Banking gelten das Zinsverbot und das Verbot von Glücksspiel. Damit sind Wetten und entsprechende Finanzderivate verboten. Auch Investitionen in den Bereichen Alkohol, Drogenhandel, Prostitution, Schweinefleischkonsum, Tabak und Waffen sind nicht zulässig. Die Bank soll ethisch und moralisch handeln.

Ist Islamic Banking eine ethische Alternative?

Spekulative Geschäfte sind nach den Prinzipien des Islamic Banking verboten. Auch Zinsen darf die Bank keine verlangen. Kunden, die über eine islamische Bank ein Haus finanzieren möchten, können dies dennoch tun. Die Bank kauft in diesem Fall selbst das Haus und verkauft es an den Kunden zu einem höheren Preis, den dieser in Raten zahlen kann, weiter. Die Bank macht auch ohne Zinsen zu verlangen Profit. Hier stellt sich die Frage, ob dies dann wirklich ein Zinsverbot ist oder eher ein Aufschlag auf Umwegen?

Glücksspiel und Zinsen sind laut dem Koran verboten. Sie widersprechen den Prinzipien, die dem islamischem Finanzsystem zugrunde liegen. Bildquelle: Pixabay / Alexas_Fotos

Allerdings nutzen nicht alle Muslime die islamischen Banken. In Indonesien leben beispielsweise die meisten Muslime. Dort sind etwa fünf Prozent Kunden einer islamischen Bank. Hierzulande gibt es auch andere nachhaltige Banken, die nach ethischen Grundsätzen arbeiten und entsprechende Finanzprodukte anbieten. Direkt auf den vordersten Rängen lässt sich dort die KT-Bank entdecken, die erste islamische Bank in Deutschland.

Große Hoffnungen während der Finanzkrise

Experten sehen das System des Islamic Bankings näher an der realen Wirtschaft. Es scheint auf die Finanzmärkte stabilisierend zu wirken. Gerade weil die hoch spekulativen Geschäfte verboten sind, war dieser Teil der Finanzbranche ein Hoffnungsträger. Es gibt keine zu Paketen gebündelten Hypotheken, die Banken tranchenweise weiterverkaufen. Niemand spekuliert mit Kreditausfall-Swaps darauf, dass ein Unternehmen pleite geht und auch an der Börse gibt es keine Wetten auf den Wertverlust einer Aktie. Geschäfte haben immer Bezug zu konkreten Gütern, was die Risiken überschaubarer macht als im konventionellen Bankwesen.

Die Zahl der Muslime auf der Welt steigt. Von 2011 bis 2015 konnte Islamic Banking ein rasantes Wachstum verzeichnen. Die großen Player waren vor allem aus Malaysia und den Golfstaaten. Aber auch Europäer interessierten sich für das islamische Finanzgeschäft.

Es gibt keine globale Institution

Ein großes Problem an diesem System liegt daran, dass es keine globale Institution gibt. Es gibt keine Institution, die Finanzprodukte verlässlich, dauerhaft und islamkonform einschätzt. Dieses Problem ist eng mit dem Glauben verbunden. Die Scharia stellt keine einheitliche Rechtsgrundlage dar. Sie ist eine Sammlung von Koran- und Sunnatexten. Je nach islamischer Rechtsschule ist die Interpretation eine andere.

Wenn eine Bank oder ein Unternehmen ein islamische Finanzprodukte anbieten möchte, ist ein Zertifikat dafür notwendig. Ein solches Zertifikat stellt der Scharia-Rat aus. Dieser Rat besteht meist aus drei muslimischen Rechtsgelehrten. Das Problem dabei ist: Es gibt einen Scharia-Rat, der international anerkannt ist. Wenn zwei Scharia-Räte ein Finanzprodukt bewerten, können ganz unterschiedliche Bewertungen dabei herauskommen.

In Deutschland fehlt noch die Nachfrage

Das Islamic Banking hat sich bisher in Deutschland noch nicht durchgesetzt. Die Muslime sind eher skeptisch. Viele von ihnen sind nach Deutschland gekommen, als es das Islamic Banking noch gar nicht gab. Muslime aus anderen Regionen, in denen das schon weit verbreitet ist, sind nicht so stark vertreten. Nach einem anfänglichen Hype ist der große Durchbruch in Europa ausgeblieben. Auch wenn der realwirtschaftliche Bezug der islamischen Banken sehr groß ist, bestehen dennoch Möglichkeiten zu spekulieren. In Dubai kam es 2014 zu einer Immobilienblase. Die Preise sind dabei deutlich eingebrochen.

Kein gutes Bild auf dem internationalen Parkett

Das islamische Bankwesen hat 2017 von sich reden gemacht. Das Gasunternehmen Dana Gas, ansässig in den Arabischen Emiraten, hat zwei islamische Anleihen mit 700 Millionen US-Dollar Gesamtvolumen umstrukturiert, weil sie nicht mehr islamkonform waren. Die Bedingungen für die Investoren verschlechterten sich erheblich. Viele Gläubiger haben darauf erbost reagiert. In Deutschland ging der Fall sogar vor Gericht. Daran ist zu erkennen, dass es im Islamic Banking noch keine international einheitlichen Standards gibt.

In Afrika gibt es viele Muslime. Dort sind die Bedingungen für den Erfolg des Islamic Banking sehr gut. Bildquelle: Pixabay / WikiImages

Islamic Banking in Afrika

In Afrika sieht das Marktpotenzial anders aus. Dort gibt es etwa 250 Millionen Muslime. Prognosen zufolge ist diese Zahl stark steigend. In Afrika sind die Bedingungen für Islamic Banking ideal. Allerdings fehlen auf dem Kontinent Afrika Investitionen und die notwendige Infrastruktur. Senegal zum Beispiel ist ein politisch stabiles Land, dessen Wirtschaftswachstum 6,7 Prozent beträgt. Die islamische Entwicklungsbank hat dort in den letzten Jahren viel in das islamische Finanzwesen investiert.

Auch in anderen Ländern in Subsahara-Afrika liegt Experten zufolge viel Potenzial. Dort ist die Bevölkerung sehr gläubig und wäre bereit, dieses Konzept mit Investitionen zu unterstützen. In Afrika haben viele Menschen noch überhaupt kein Bankkonto. Wenn sich dort eine Mittelschicht entwickelt, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Menschen ihr erstes Bankkonto bei einem islamischen Finanzinstitut eröffnen.

(Hürriyet.de)

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