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Handball-WM: Deutsche Handballer schießen sich ins Halbfinale

21.1.2019 22:14 Uhr

Knapp, aber glücklich: vor ausverkaufter Kulisse und toller Stimmung haben sich die deutschen Handballer mit einem 21:22 gegen Kroatien ins Halbfinale geschossen. Das gelang zuletzt beim Wintermärchen 2007.

Köln (SID) Die Spieler führten einen wilden Jubeltanz auf und ein völlig losgelöster Bundestrainer Christian Prokop war mittendrin: Nachdem sich die deutschen Handballer bei der Heim-WM nach einem Krimi ins Halbfinale gekämpft hatten, ließen sie im Tollhaus Kölnarena ihren Emotionen minutenlang freien Lauf. Nach einem 22:21 (11:11) gegen Kroatien kämpfen Kapitän Uwe Gensheimer und Co. am Freitag in Hamburg um den Finaleinzug - der Traum vom Wintermärchen 2.0 lebt.

"Wir haben vorzeitig das Halbfinale erreicht. Das ist der Wahnsinn. Die Stimmung hat uns gepusht", sagte der bärenstarke Torhüter Andreas Wolff. Zuletzt hatte die weiterhin ungeschlagene Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) beim goldenen Triumph 2007 das WM-Halbfinale erreicht.

"Halbfinale, Halbfinale", skandierten die Zuschauer und feierten ihre Handball-Helden um den überragenden Spieler des Spiels Fabian Wiede (sechs Tore) ausgelassen. Die Spieler bedankten sich auf ihrer Ehrenrunde mit La Ola. "Das ist sensationell", sagte Kai Häfner. Einziger Wermutstropfen an einem denkwürdigen Abend vor 19.250 Zuschauern: Für Spielmacher Martin Strobel ist das Turnier aufgrund einer schweren Knieverletzung beendet.

Im abschließenden Hauptrundenspiel gegen Europameister Spanien am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) geht es für das DHB-Team um den Gruppensieg. Durch den deutschen Erfolg gegen Kroatien hat Titelverteidiger Frankreich ebenfalls das Halbfinale erreicht.

"Mit dem Druck des Kessels sind wir zu allem fähig", hatte DHB-Vizepräsident Bob Hanning vor der Partie angesichts der fantastischen Atmosphäre in der Kölnarena erklärt. Doch die Gastgeber taten sich anfangs schwer. Es entwickelte sich ein von Hektik geprägtes Spiel mit Fehlern auf beiden Seiten.

In der neunten Minute dann der Schock: Strobel verletzte sich ohne Einwirkung des Gegners am linken Knie. Er zog sich einen Innenbandriss zu und wurde noch während der Partie ins Krankenhaus transportiert. Es besteht zudem der Verdacht auf einen Kreuzbandriss. Prokop kann für den weiteren Turnierverlauf einen Spieler nachnominieren.

Ohne Strobel standen andere Spieler in der Verantwortung und der Fabian Wiede ging selbstbewusst voran. Der Berliner sorgte beim 4:3 für die erste deutsche Führung (10.). Doch die DHB-Auswahl ließ in der Folge einige Chancen ungenutzt und leistete sich zudem zu viele Zeitstrafen. "Wir müssen cleverer sein und cool bleiben", sagte Prokop in seiner ersten Auszeit.

Die Abwehr um den bärenstarken Patrick Wiencek stemmte sich häufig erfolgreich gegen die kroatische Offensive um den Kieler Domagoj Duvnjak. Wiencek war es auch, der ins leere Tor der Kroaten beim 10:8 zur ersten Zwei-Tore-Führung traf. Doch die Kroaten blieben auch ohne ihren verletzten Spielmacher Luka Cindric gefährlich und erzielten drei Tore in Serie. Wiede hämmerte den Ball zum Ausgleich zur Halbzeit aber in den Winkel.

"Wir müssen weiter konzentriert bleiben. Wir verwerfen zu viele freie Würfe. Wir dürfen nicht so viele Zeitstrafen bekommen", sagte Teammanager Oliver Roggisch in der Halbzeitpause.

Die Chancenverwertung blieb zunächst aber auch weiterhin ein Problem, dafür trieben Wolff und die deutsche Abwehr die Kroaten zur Verzweiflung. Prokop nutzte im Angriff im siebten Turnierspiel die gesamte Breite seines Kaders und die Spieler aus der zweiten Reihe waren bereit. Der nachnominierte Häfner und Fabian Böhm erzielten wichtige Treffer und hielten damit Kroaten auf Distanz.

Der nervenstarke Wiede sorgte für den ersten Drei-Tore-Vorsprung (18:15/46.). Doch das DHB-Team zeigte weiter Schwächen im Abschluss und lag auf einmal 18:19 (54.). Daran änderte auch die kurzfristige Einwechslung von Torhüter Silvio Heinevetter für Wolff nichts. In der packenden Schlussphase kam Wolff zurück, hielt glänzend und bediente Hendrik Pekeler, der zum 21:20 traf (59.). Gensheimer sorgte für die Entscheidung.

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(be/afp)