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Häusliche Gewalt in Istanbul um fast 40 Prozent gestiegen

7.4.2020 17:33 Uhr

In Istanbul nehmen die Verbrechen ab, die häusliche Gewalt jedoch nimmt in der Zeit der Selbstquarantäne wegen des Coronavirus zu. Da ein Großteil der Menschen in der Türkei wegen Covid-19 zu Hause bleibt, hat die häusliche Gewalt in Istanbul um 38,2 Prozent zugenommen. Die Menschen scheinen mit der Situation, sich isolieren zu müssen, nicht anfreunden zu können und viele Frauen sind dadurch mit ihren Missbrauchern in ihren Häusern "eingesperrt".

Obwohl die Kriminalitätsrate um rund 40 Prozent zurückgegangen ist, da die türkische Regierung ihrer gesamten Bevölkerung geraten hat, "zu Hause zu bleiben", sofern dies nicht erforderlich ist, steigt die Zahl der Fälle von häuslichem Missbrauch. Im März 2019 gab es in Istanbul 1804 Vorfälle mit häuslicher Gewalt. Die Zahl der Taten stieg im März dieses Jahres auf 2493, was einem Anstieg von 38,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Insgesamt jedoch gibt es in Istanbul einen Rückgang bei den Verbrechen.

Nach Angaben der Istanbuler Polizeibehörde ereigneten sich im März letzten Jahres 13.538 Straftaten, während im März dieses Jahres 11.578 Vorfälle registriert wurden. Im März letzten Jahres wurde die Zahl der Taschendiebstähle mit 958 angegeben. Im März 2020 wurden noch 393 Taschendiebstahlsdelikte aktenkundig. Das entspricht einem Deliktrückgang von 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten Raubdelikte mit 49 Prozent einen hohen Rückgang. Diebstahl mit 44 Prozent Rückgang und Mord mit einem Rückgang von 26 Prozent folgen auf den Plätzen.

Zunehmende Gewalt gegen Frauen wird in Corona-Zeiten zu einem globalen Trend

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte vor einem "schrecklichen globalen Anstieg" häuslicher Gewalt während der Krise durch das Coronavirus gewarnt und die Regierungen aufgefordert, die Bemühungen zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen zu verstärken. "Wir wissen, dass Ausgangssperren und Quarantänen für die Unterbrechung von Infektionsketten unerlässlich sind. Aber sie können Frauen in die Falle von missbräuchlichen Partnern treiben", sagte Guterres in einer auf Twitter geposteten Videobotschaft.

"Für viele Frauen und Mädchen ist die Bedrohung dort am größten, wo sie in ihren eigenen vier Wänden am sichersten sein sollten." In einigen Ländern habe sich die Zahl der Frauen verdoppelt, die Unterstützungsdienste wegen häuslicher Gewalt kontaktiert haben. Gesundheitsdienstleister und Polizei seien überfordert und unterbesetzt und lokale Selbsthilfegruppen sind durch Ausgangsverfügungen "gelähmt" oder es mangelt an Geldern, sagte der UN-Chef. UN-Daten zeigen, dass häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen in einigen Ländern, einschließlich der Türkei, massiv zugenommen haben.

(ce)

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