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Häusliche Gewalt gegen Frauen in der Türkei deutlich gestiegen

23.5.2020 7:01 Uhr

Es sind besorgniserregende Fakten, die zwei Expertinnen nun präsentiert haben: Demnach hat in der Türkei während der Corona-Krise die häusliche Gewalt gegen Frauen deutlich zugenommen.

Gleichzeitig scheuen sich die Betroffenen ihre Misshandlungen aus Angst vor dem Freund oder Ehemann den öffentlichen Behörden zu melden. Immerhin trauen sich Nachbarn, wenn sie Zeugen von körperlichen Auseinandersetzungen werden, immer häufiger die Polizei zu rufen.

Corona-Krise provoziert geradezu Gewalt

"Die Gewalt gegen Frauen ist um 80 Prozent gestiegen“ sagt Canan Güllü, Vorsitzende des türkischen Frauenverbandes. Die Corona-Krise würde Spannungen und aggressives Verhalten zwischen den Familienmitgliedern geradezu provozieren, so die Expertin. Die Menschen müssten auf engstem Raum miteinander leben und könnten teilweise noch immer nicht durch die strikten Corona-Maßnahmen die eigenen vier Wände verlassen. Jobverlust und Zukunftsängste würden die Situation noch weiter verschärfen, sagt Güllü.

Sükran Eroglu, Leiterin des Frauenrechtszentrums in Istanbul, stimmt ihrer Kollegin zu. Dass körperlich misshandelte Frauen sich nicht an Behörden oder Polizei wenden wollen, wundert sie nicht. Vor allem, wenn der Freund oder Ehemann in derselben Wohnung lebt. Die Angst, noch einmal Gewalt zu erfahren, sei sehr groß. "Einige Frauen schaffen es dann aber doch, sich an eine Vertrauensperson zu wenden und ihr Leid zu klagen", erklärt Eroglu.

Misshandlungen derzeit nur schwer nachzuweisen

Güllü betonte, dass sogar Kinder bereit wären, Gewalttaten zwischen den Eltern zu melden. Dass Nachbarn nun schneller die Behörden oder die Polizei rufen, stimmt sie zufrieden. "Wir haben jahrelang sehr viel dafür getan, die Menschen in solchen Fällen zu ermutigen, Courage zu zeigen", so die Frauenrechtlerin.

Eroglu erklärte zudem, dass ein Fall von körperlicher Gewalt derzeit nur mühselig nachzuweisen sei. "Die Krankenhäuser sind durch die Corona-Krise überlastet. Es ist schwierig, einen detaillierten Arztbericht zu erhalten, der nachweist, dass eine Frau geschlagen wurde.“ Immerhin, so Eroglu, gäbe es derzeit keine Hinweise in ihrer Organisation über einen Anstieg von sexuellem Missbrauch innerhalb der Familie während der Corona-Krise. "Das bedeutet aber nicht, dass es nach wie vor sexuellen Missbrauch gibt.“

(bl)

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