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Grün-Rot-Rot eine Option im Bund

8.6.2019 19:44 Uhr

Die Umfragewerte lassen in Kreisen der Union wenig Stimmung aufkommen. Die Grünen bleiben bundesweit stärkste Kraft, die Union rutscht ab und vergrößert den Abstand zur CDU/CSU auf vier Prozentpunkte. SPD und die Union schliddern laut Forsa-Umfrage für RTL und ntv in ein historisches Tief und Deutschland wählt das ökologische und soziale Gewissen in Person der Grünen. Somit wäre eine Regierungskoalition aus Grün-Rot-Rot machbar und alle konservativen oder rechten Kräfte aus der Regierungsverantwortung verschwunden.

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen CDU und CSU laut RTL-ntv-Trendbarometer zusammen nur noch auf 24 Prozent. Das ist ein Minus von zwei Prozentpunkten. Die Grünen sind demnach wie in der Vorwoche mit 27 Prozent stärkste Partei. Die SPD bleibt bei zwölf Prozent und liegt damit gleichauf mit der AfD, die einen Punkt hinzugewinnt. Die Linke verbessert sich um einen Punkt auf acht Prozent. Die FDP kommt wie in der Vorwoche ebenfalls auf acht Prozent.

Habeck als neuer Bundeskanzler und Özdemir als Außenminister?

Die Grünen hatten erstmals im RTL-ntv-Trendbarometer in der Woche nach der Europawahl den Spitzenplatz übernommen. "Die Grünen profitieren weiterhin von der höheren Wählermobilisierung, von der Selbstzerfleischung der SPD und vom Versuch der CDU, die Grünen beim Bemühen um den Klimaschutz zu übertrumpfen", sagte Forsa-Chef Manfred Güllner dem Sender RTL.

Wenn die Deutschen die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler direkt wählen könnten, hätte Grünen-Co-Chef Robert Habeck bessere Chancen als CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Bei der Wahl zwischen Habeck und Kramp-Karrenbauer würden 34 Prozent der Befragten für den Grünen stimmen, 21 für die CDU-Chefin. Bei der Alternative Habeck oder Scholz wäre das Verhältnis 28 zu 23 Prozent für den Grünen. Könnte Kramp-Karrenbauer direkt gegen Scholz antreten, würden sich 28 Prozent für den Finanzminister und nur 19 Prozent für die CDU-Chefin entscheiden. Hier rutscht Kramp-Karrenbauer erstmals unter die 20-Prozent-Marke.

Grün-Rot-Rot im Bund eine Möglichkeit

Die SPD hat der jüngsten Umfrage zufolge ihre Talfahrt gestoppt. Doch nach dem Rücktritt von Andrea Nahles als Partei- und Fraktionsvorsitzende vor einer Woche sucht sie eine neue Führung und steckt in der Diskussion, ob sie die große Koalition fortsetzen soll oder nicht. Malu Dreyer, eine der drei kommissarischen SPD-Vorsitzenden, sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe), ihre Partei sei vertragstreu. Sie verwies aber auch auf die Revisionsklausel im Koalitionsvertrag.

Dreyer schloss ein Bündnis ihrer Partei mit Grünen und Linken im Bund nicht aus. "Ich kämpfe für eine starke SPD und Mehrheiten jenseits der CDU/CSU", sagte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz. "Eine Option kann da natürlich auch eine Koalition aus SPD, Grünen und Linken sein, wie das in Bremen ausgelotet wird."

Zu regieren und zugleich die Partei zu reformieren, schließe sich nicht grundsätzlich aus, sagte Dreyer. Diese Frage habe sich die SPD gestellt, bevor sie erneut in die große Koalition gegangen sei. "Aus meiner Sicht ist es aber bisher nicht gelungen, nach außen erkennbar zu machen, was die SPD darin erreicht hat." Das sei viel mehr, als die CDU einbringe, sagte Dreyer. "Wir brauchen andere Konstellationen, um stärker zur Geltung zu kommen."

(ce/Reuters)