imago images / Uwe Kraft

Gladbach siegt gegen Köln bei Corona-Geisterspiel

11.3.2020 21:00 Uhr

Das rheinische Derby unter dem Einfluss des Coronavirus zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln war ein Spiel, an das sich die Profis sicherlich nicht werden gewöhnen wollen. Die gespenstische Atmosphäre auf den Rängen übertrug sich auf den Rasen und es war eine Art "fußballerischer Totentanz", der auf dem Rasen aufgeführt wurde. Da war das Ergebnis - die Fohlen besiegten die Geißböcke mit 2:1 und sprangen wieder auf einen der Champions-League-Plätze in der Bundesliga - schon quasi reine Nebensache. So macht Fußball, das muss man in aller Deutlichkeit sagen, keinerlei Freude und Spaß. Da wäre das Absagen der Spiele weitaus aufrichtiger und fairer.

Breel Embolo (32.) und ein Eigentor von Jorge Mere (70.) sorgten für den Erfolg des fünfmaligen deutschen Meisters, der sich mit 49 Punkten wieder an Bayer Leverkusen (47) vorbei auf Platz vier schob. Aufsteiger Köln, der durch den starken Mark Uth (80.) zum Anschlusstreffer kam, bleibt im gesicherten Mittelfeld. Das Spiel sollte ursprünglich am 9. Februar stattfinden, musste aber wegen des Orkans Sabine verlegt werden. Nun sorgte das sich immer weiter ausbreitende Coronavirus für ein Spiel ohne Fans und damit ohne Stimmung. "Grundsätzlich braucht das kein Mensch", hatte Gladbachs Trainer Marco Rose vor dem Anpfiff bei Sky erklärt.

Gespenstisch leere Tribünen

Die Fans der Fohlen gaben dennoch ihr Bestes. "Holt den Derbysieg", lautete der klare Auftrag auf einem Plakat auf der leeren Nordtribüne. Als der Gladbacher Bus am Stadion eintraf, feierten einige hundert Anhänger die Spieler, Leuchtraketen wurden abgeschossen. Zu Beginn des Aufwärmprogramms stimmten sie die Profis mit Gesängen von außerhalb des Borussia-Parks auf die Partie ein, danach war es still. Die Anweisungen der Trainer waren auf der Tribüne ebenso zu verstehen wie die Rufe der Spieler.

"Die Mannschaft, die sich besser darauf einstellt, wird einen Vorteil haben", erklärte FC-Trainer Markus Gisdol. Angetrieben von Schalke-Leihgabe Uth waren das zunächst die Gäste, die durch Florian Kainz (2.) und Jhon Cordoba (10.) zu ersten Abschlüssen kamen und denen das Selbstvertrauen nach zuletzt acht Siegen in den vergangenen zehn Partien anzumerken war. Die Begegnung blieb aber insgesamt auf einem mäßigen Niveau. Uths gefährlicher Freistoß war zunächst noch der größte Aufreger (21.). Die Gladbacher, die im Gegensatz zur Niederlage gegen Borussia Dortmund (1:2) auf fünf Positionen verändert aufliefen, waren dann zumindest effektiv. Nach der bis dahin schönsten Kombination über Tobias Strobl, Oscar Wendt und Patrick Herrmann traf Embolo zur schmeichelhaften Pausenführung.

Der Nieselregen rundete die morbide Atmosphäre ab

Die Gastgeber kamen schwungvoll aus der Kabine und schnürten die Kölner kurzzeitig am eigenen Strafraum ein. Herrmann scheiterte aber am gut reagierende Schlussmann Timo Horn (51.). Beide Mannschaften schienen sich nun besser auf die besonderen Umstände eingestellt zu haben. Es war trotz des einsetzenden Regens etwas mehr Zug im Spiel.

Köln wurde nun wieder mutiger, Kainz verzog aber aus guter Position deutlich (63.). Es mangelte bei beiden Rivalen aber weiterhin an Präzision und Tempo. Das Eigentor von Mere nach Flanke von Embolo passte ins Bild. Erst nach dem Kölner Anschlusstreffer erhielt das Spiel eine gewisse Würze - abermals Uth (90.+3) vergab aus kurzer Distanz den Ausgleich.

(ce/afp)

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