Gillette

Gillette sorgt für Aufregung mit Kurzfilm: "The Best Men Can Be"

16.1.2019 11:41 Uhr, von Berna Ehrhardt

Seit 30 Jahren lautet Gillettes Original-Werbeslogen "The Best a man can get". Das bedeutet auf Deutsch so viel wie "Das Beste, was ein Mann bekommen kann", aber auch "Das Beste, was ein Mann werden kann". Und seit Jahrzehnten sehen wir sexy Männer, die sich mit Schwung und Elan die Bartstoppeln aus dem Gesicht rasieren – immer mit einer Klinge mehr. Doch jetzt hat der Rasierklingenhersteller, der zum Unternehmen Procter & Gamble gehört, mit einem Kurzfilm für reichlich Furore gesorgt.

In dem knapp zweiminütigen Video sagt Gillette toxischer Männlichkeit den Kampf an. Und sorgt damit nicht nur für Begeisterung, sondern auch für jede Menge Hasspostings, die den Kern der Aussage beweisen. Im Video zu sehen sind "typisch männliche" Szenen: ein Schauspieler, der einer Frau herzhaft ins Hinterteil kneift. Der Chef, der seine Angestellte tätschelt. Jungs, die einen anderen Jungen mobben und durch die Straßen jagen. Männer, die hübsche Mädchen unangemessen ansprechen. Prügelnde Kids. Und dann die Aussage "Boys will be boys" – "Jungs sind nun mal so".

Boys will be boys?

Doch nun dreht Gillette den Spieß um. Sind Jungs wirklich so? Doch nur, wenn sie es vorgelebt bekommen. Die Szenerie wechselt und zeigt Berichterstattungen zur #MeToo-Debatte. Einen Mann, der einen anderen Mann davon abhält, eine Frau zu belästigen. Ein Vater, der mit seinem Sohn die jagenden Kids sieht und dazwischengeht. Ein Mann, der zwei sich prügelnde Jungs auseinander zieht und ihnen sagt, dass man sich so nicht verhält. Ein Vater, der seine kleine Tochter im Arm hält und ihr sagt "Du bist stark". Die Message: Jungs sind nicht so. Jungs sind das, was ihnen Männer als Vorbild vorleben. Und Jungs sind die Männer von morgen.

1590001

Nicht nur ein Marketing-Stunt

Gillette will mit seiner Werbung nicht nur Gesprächsthema werden. Man sei sich der Verantwortung bewusst, die man als Marke innehabe. In einer Mitteilung auf der Gillette-Webseite heißt es:

"Viele befinden sich an einem Scheideweg zwischen der Vergangenheit und einer neuen Ära der Männlichkeit. Es ist zwar klar, dass Änderungen notwendig sind, aber wo und wie wir diese Veränderungen bewirken können, ist für viele weniger offensichtlich ...

Es ist an der Zeit, dass wir erkennen, dass Marken wie unsere eine Rolle bei der Beeinflussung der Kultur spielen. Und als Unternehmen, das Männer zu Höchstleistungen ermutigt, tragen wir die Verantwortung dafür, dass wir positive, erreichbare, inklusive und gesunde Versionen dessen fördern, was es bedeutet, ein Mann zu sein. Als Teil der Kampagne "Die besten Männer" wird Gillette für die nächsten drei Jahre eine Million US-Dollar pro Jahr an gemeinnützige Organisationen spenden, die Programme in den Vereinigten Staaten durchführen, die Männer jeden Alters inspirieren, erziehen und ihnen helfen sollen, ihr "Bestes" zu erreichen und Vorbilder für die nächste Generation zu werden.

Unser Slogan muss uns alle dazu inspirieren, jeden Tag besser zu werden. Wir wollen einen neuen Standard schaffen, den Jungs bewundern und Männer anstreben können ... Weil die Jungen von heute die Männer von morgen sind.

Wir haben alle Arbeit zu erledigen. Und es fängt heute an."

Begeisterung und Boykottaufrufe im Netz

Natürlich hat Gillette mit dieser Kampagne nicht nur für Begeisterung gesorgt. Viele Männer fühlen sich durch die Werbung angegriffen und schwören, nun zum Konkurrenten Wilkinson zu wechseln. Viele beweisen allerdings mit ihren Äußerungen genau, warum diese Kampagne so den Nerv trifft. "Den unrasierten Weibern gefällts – aber die kaufen ja auch nicht eure Sachen" – so oder so ähnlich lauten die Kommentare von erbosten Männern auf den Social Media Kanälen.

Ob sich die Kampagne negativ oder positiv auf die Verkaufszahlen auswirken wird, kann man jetzt wohl noch nicht sagen. Auf jeden Fall hat sie dafür gesorgt, dass Gillette in aller Munde ist. Fraglich ist übrigens auch, wie und ob Gillette die Kampagne in den deutschsprachigen Raum übertragen wird. Hier lautet der Slogan schließlich "Für das Beste im Mann" - das Original-Wortspiel würde also in der Form nicht wirklich funktionieren.

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.