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Gesundheitsminister Koca: Kontrolliertes Soziales Leben, Maske, Abstand

14.6.2020 12:17 Uhr

Noch vor etwas mehr als zehn Tagen waren die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in der Türkei auf rund 700 gefallen und die Menschen erfreuten sich an den Lockerungen der Maßnahmen. Doch jetzt ist wieder ein Anstieg zu verzeichnen. 1495 neue Fälle gab es am Sonntag und viele Menschen machen sich Sorgen, ob nun eine zweite Welle kommen könnte.

Auch der Gesundheitsminister wandte sich am Sonntag über den Kurznachrichtendienst Twitter an die türkischen Bürger und zeigte sich besorgt. "Die gestrigen Fallzahlen haben uns mit der Tatsache konfrontiert, dass die Epidemie weiterhin ernst zu nehmen ist. Wir sind stark und erfahren genug, um keinen Schritt zurückzuweichen. Lassen Sie den Tag, an dem wir damit beginnen, ein beruhigender Tag für morgen sein", so Koca am Sonntagvormittag.

Corona-Wissenschaftsrat-Mitglieder im Gespräch mit der Hürriyet

Mitglieder des türkischen Corona-Wissenschaftsrats, Prof. Dr. Tevfik Özlü, Doz. Dr. Sema Kultufan Tura und Doz. Dr. Afsin Emre Kayipmaz, haben im Gespräch mit Meltem Özgenc in der Hürriyet versucht zu erklären, woran der Anstieg liegen könnte – und wie nun weiter vorgegangen wird.

Prof. Dr. Tevfik Özlü: "Die täglichen Fallzahlen alleine zeigen nicht, ob sich eine Epidemie zum Guten oder Schlechten entwickelt. Man muss auch andere Kriterien beachten. Die jetzigen Testzahlen sind nicht wie in der ersten Phase. Bei den Tests gibt es einen ernsten Anstieg zu verzeichnen, aber die Fallzahlen bleiben um die Tausend herum. Die positiven Fälle sind im Verhältnis zu den steigenden Tests gefallen. Also flacht die Epidemie weiter ab. Das nennen wir "Fall-Pool". Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Zahl der Geheilten steigt und dieser Pool immer leerer wird. Eine Zeit lang lag die Zahl der Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, bei 23 Prozent. Mittlerweile ist sie auf 2,31 Prozent gefallen. Wann ist es Zeit, Angst zu kriegen? Wenn die Zahl der Neuinfektionen stetig ansteigt, die positiven Fälle immer mehr werden, die Zahl der Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen steigt, die Intensivpatienten mehr werden. Dann bedeutet das, wir kehren wieder zum Beginn der Pandemie zurück. Das ist ein dynamischer Prozess, es gibt nicht so etwas wie "Die Epidemie ist vorbei". Wenn ein Anstieg beängstigende Ausmaße annimmt, kann man – wenn nicht die alten - dann neue Maßnahmen ergreifen."

"Erledige alles und geh wieder nach Hause"-Phase

Doz. Dr. Sema Kultufan Turan: "Soweit ich sagen kann, gibt es keinen unkontrollierten Anstieg. Es werden täglich mehr als 45.000 Tests durchgeführt und selbst wenn es so aussieht, als ob die Zahlen ansteigen würden, ist es nicht wie zu den Peak-Zeiten der Pandemie. Wir müssen das kontrollierte soziale Leben sehr ernst nehmen. Wenn wir diese Phase in die richtige Richtung lenken können, wird unser Erfolg im Kampf gegen die Pandemie weitergehen. Wir [der Corona-Wissenschaftsrat, Anm. d. Red.] werden die Zahlen dieser Woche in unserer nächsten Sitzung besprechen. Auch darüber, welche Maßnahmen man ergreifen könnte. Zudem ist es äußerst wichtig, die Schritte im Zuge der Normalisierung zu überwachen. Sollten die Zahlen in den vor uns liegenden Wochen über den Tausendern liegen, könnten die ersten Schritte für neue Maßnahmen genommen werden."

Doz. Dr. Afsin Emre Kayipmaz: "Wir haben die Bilder gesehen, die sich am letzten Wochenende regional gezeigt haben. Das Nichtbeachten von Maßnahmen zeigt sich mit einer Verzögerung von sieben bis zehn Tagen. Also kann man die Bilder vom letzten Wochenende an den Zahlen seit Freitagabend wiederfinden. Zudem tragen auch asymptomatische Fälle, die nun positiv getestet wurden, ihren Teil zu dem Anstieg an Neuinfektionen bei. Das, was wir in dieser Phase als "kontrolliertes soziales Leben" bezeichnen, umfasst Masken, Abstand, Hygiene und das Vermeiden von Menschenansammlungen. Denn jetzt gehen wir von der "Bleib Zuhause"- zur "Erledige alles und geh wieder nach Hause"-Phase über."

(be)

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