Hürriyet

Gesundheitsminister Koca: In der Türkei wird es keine Corona-Impfpflicht geben

4.12.2020 14:14 Uhr

In der Türkei wird es keine Impfpflicht gegen das Coronavirus geben. Das sagte Gesundheitsminister Dr. Fahrettin Koca der Tageszeitung "Hürriyet". Allerdings werde das Gesundheitsministerium mit Kampagnen versuchen, die Bevölkerung von dieser Maßnahme im Kampf gegen Covid-19 zu überzeugen.

"Über das Thema haben wir im Wissenschaftsausschuss lange diskutiert und sind zum Schluss gekommen, dass jeder Bürger selbst entscheiden kann, ob er sich impfen lassen will oder nicht", erklärte der Minister. "Den Skeptikern, die sich aufgrund des Herkunftslandes des Impfstoffes dagegen entscheiden, sagen wir: Es kommt nicht darauf an, wo der Impfstoff herkommt, sondern wie er hergestellt worden ist." Er werde mit gutem Beispiel vorangehen und einer der ersten sein, die sich impfen lassen, betonte Koca.

Koca von chinesischem Impfstoff überzeugt

Koca hatte vergangenen Woche mitgeteilt, dass die Regierung 50 Millionen Dosen von einem in China entwickelten Impfstoff gekauft hat. Ab dem 11. Dezember soll die Vakzine in der Türkei eintreffen und dann zeitnah mit den Impfungen begonnen werden. Von dem chinesischen Impfstoff ist der 55-Jährige voll überzeugt, weil der Impfstoff unter bekannten Methoden hergestellt worden sei. "Die Langzeiteffekte dieser Arten von Impfstoffen sind bekannt und haben keine Nebenwirkungen, während über die Langzeiteffekte der Impfstoffe, die mit der mRNA-Methode produziert werden (wie der von Biontech/Pfizer, Anm. d. Red.) und in kurzer Zeit gute Ergebnisse erzielen, wenig bekannt ist", so der Minister.

Zudem glaubt Mehmet Ceyhan, ein führender Experte in der Türkei für Infektionskrankheiten, dass ein mRNA-Impfstoff aus logistischen Gründen nur schwer erhältlich sein wird, weil er bei minus 70 Grad gelagert werden muss. "Ein Gerät für extreme Kühlungen kostete um die 10.000 Dollar (8200 Euro). Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Apotheke so viel Geld ausgeben will, um am Ende 50 bis 60 Dosen zu verkaufen", sagte der Professor der Tageszeitung "Milliyet".

In der Türkei wird in vier Stufen geimpft

Laut Gesundheitsministerium soll in der Türkei in vier Stufen geimpft werden. Zunächst kommen Beschäftigte im Gesundheitswesen, Bürger über 65 Jahre und Menschen, die in Alten-, Behinderten- oder anderen Schutzheimen leben, an die Reihe. In einer zweiten Gruppe werden Personen mit wichtigen Jobs und Menschen über 50 Jahren mit mindestens einer chronischen Krankheit geimpft. Es folgen Personen unter 50 Jahren mit mindestens einer chronischen Krankheit, junge Erwachsene und andere Arbeitnehmer. In der vierten und letzten Phase werden alle weiteren Bürger geimpft.

(mb)

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