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Generalsekretär der UN wird 70

26.4.2019 14:34 Uhr

Es ist der "unmöglichste Job auf dieser Erde", das wusste schon der erste Generalsekretär der Vereinten Nationen, der Norweger Trygve Lie - schließlich müssen alle 193 UN-Mitgliedsländer ständig und gleichzeitig zufrieden gestellt werden. Rund 70 Jahre und sieben Nachfolger später versucht sich seit 2017 nun António Guterres daran. Der Portugiese wird am Dienstag (30. April) 70 Jahre alt und hat dann auch in etwa die Hälfte seiner fünfjährigen Amtszeit hinter sich.

Viele bei den Vereinten Nationen hatten sich - nach neun Männern an der Spitze - eigentlich endlich eine Frau als Generalsekretärin gewünscht. Andere hatten darauf gepocht, dass mal ein Osteuropäer dran sei. Aber dann zauberte der Sicherheitsrat Guterres aus dem Hut, der von 2005 bis 2015 bereits das UN-Flüchtlingshilfswerk leitete und die Organisation deshalb bestens kennt. Ein Kompromiss-Kandidat, auf den sich selbst Moskau und Washington einigen konnten, aber auch ein allseits beliebter und als hemdsärmelig anpackend geschätzter Diplomat, der sich charmant fließend auf Portugiesisch, Spanisch, Englisch und Französisch unterhalten und ehrlich und geschickt verhandeln kann.

Die Vorschusslorbeeren waren zahlreich. "Wird António Guterres der beste UN-Generalsekretär aller Zeiten?", fragte der britische "Guardian". Schließlich habe der Portugiese die "perfekte Vorbereitung" für den wichtigsten UN-Job. Guterres selbst gab sich auch gleich ein volles Programm vor. An erster Stelle: Reform, Reform, Reform, die UN sollten schlanker, effizienter, kostengünstiger werden. "Es bringt niemandem etwas, wenn es neun Monate dauert, einen Mitarbeiter ins Feld zu schicken."

Realist und Macher

Das wurde auch in Washington gerne gesehen, von wo aus US-Präsident Donald Trump die Organisation wiederholt als zu teuer und bürokratisch aufgebläht kritisiert hatte. Guterres' Büro liegt im 38. Stock des UN-Hauptquartiers in New York, doch auf seinem Programm stehen Konflikte und Krisen rund um die Welt.

Der aus Lissabon stammende Familienvater ist seit jeher Humanist, aber auch immer schon Realist und "Macher". "Wenn man nicht an Größenwahn leidet, weiß man, dass man nicht versuchen kann, die Menschheit sozusagen zu retten", sagte Guterres einmal. "Ich will die Menschheit nicht retten, ich will aber all das machen, was in meiner Macht steht, um Verbesserungen zu erreichen."

Bereits als Student verrichtete der gelernte Ingenieur Sozialarbeit in den Armenvierteln Lissabons. In den 70er Jahren wurde er Abgeordneter der sozialdemokratischen Partei PS, später deren Generalsekretär, Ministerpräsident Portugals (1995-2002) und 2005 dann UN-Flüchtlingskommissar.

Guterres' erste Ehefrau starb 1998. Drei Jahre später heiratete er Catarina de Almeida Vaz Pinto, die in der Stadtverwaltung Lissabons für Kultur zuständig ist. "Zwei Kinder, einen Stiefsohn und drei Enkelkinder" hat Guterres laut seiner von den Vereinten Nationen verbreiteten Biografie inzwischen.

Stockende Reformbemühungen

Die erste Hälfte seiner Amtszeit als UN-Generalsekretär verlief nicht reibungslos. Die groß angekündigten Reformbemühungen stocken. Als zweites großes Thema hat sich Guterres nun dem globalen Kampf gegen den Klimawandel verschrieben - womit er bei den USA unter Trump, die bei den UN immer noch größter Geldgeber sind und riesigen Einfluss haben, auf wenig Gegenliebe stößt. Mit bislang mäßigem Erfolg versucht sich der UN-Generalsekretär daran, den Kampf gegen den Klimawandel voranzutreiben und gleichzeitig Washington nicht vor den Kopf zu stoßen.

"Ich bin kein Multilateralist gegen irgendjemanden", sagte er jüngst dem "Atlantic". "Ich bin Multilateralist, weil ich an eine multilaterale Weltordnung glaube. Der Klimawandel ist meiner Meinung nach eine der größten Gefahren. Das hat nichts damit zu tun, wer Präsident eines Landes ist oder auch nicht. Wenn wir nicht in den nächsten Jahren gegen den Klimawandel vorgehen, könnten wir irreversible Schäden an unserem Planeten erleben."

Beim Thema Klimawandel nehme Guterres kein Blatt vor den Mund, da sind sich die UN-Diplomaten einig. Ansonsten aber sei er zu zahm geworden, murren einige. Man merke, dass er es stets vor allem den Amerikanern und damit US-Präsident Trump recht machen wolle - und schon in Richtung einer zweiten fünfjährigen Amtszeit ab 2021 schiele.

(an/dpa)