Symbolbild: epa/Stringer

General Haftar bald in Tripolis

8.12.2019 18:13 Uhr

Nach Angaben des libyschen UN-Sonderbeauftragten Ghassan Salame rückt General Haftar mit russischer Hilfe Russlands immer weiter in Richtung Hauptstadt Tripolis vor. "Ich bin sehr besorgt", sagte Salamé der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" am Sonntag. "Seit die Russen zu Haftars Truppen gestoßen sind, hat sich die Offensive auf Tripolis verstärkt." In den vergangenen zehn Tagen hätten sich die Gefechte dort in Richtung städtischer Gebiete verlagert.

In Libyen kämpft Haftars selbst ernannte Libysche Nationalarmee (LNA) gegen die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis. Die LNA beherrscht weite Teile im Osten und Süden des Landes und hatte im April eine Offensive auf Tripolis begonnen. Laut Augenzeugen rückte sie zuletzt an einer Front südlich der Stadt vor. Das ölreiche Land in Nordafrika war nach dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi 2011 ins Chaos gestürzt.

Haftar könnte in Tripoli eindringen

"Mit dem Eingreifen Russlands könnte Haftar natürlich in Tripolis eindringen", sagte auch der libysche Außenminister Mohamed Siala im Interview mit der italienischen Zeitung "La Repubblica". Russland habe Soldaten geschickt und unterstütze Haftars Kampf auch mit Drohnen. Es bestehe das Risiko, dass die Hauptstadt falle.

Siala und Salamé waren am Samstag beide zu Besuch in Rom zur Politikkonferenz Mediterranean Dialogues (MED).

Das US-Außenministerium hatte Russland vor zwei Wochen vorgeworfen, die LNA mit "regulären" Soldaten sowie mit der privaten russischen Söldnertruppe Wagner in "bedeutendem Maß" am Boden zu unterstützen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte diese Vorwürfe bei der MED-Konferenz am Donnerstag als "Gerüchte" zurückgewiesen.

Dem Nahost-Experten Frederic Wehrey vom Carnegie Endowment for International Peace zufolge wären die Kämpfe in Libyen nicht beendet, sofern Haftar Tripolis einnehmen sollte. Seine Gegner würden stattdessen einen Aufstand beginnen und damit Extremisten wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder neue dschihadistische Gruppen stärken, schrieb Wehrey im Magazin "Foreign Policy".

Deutschland bemüht sich derzeit, in dem Konflikt zu vermitteln und eine internationale Libyen-Konferenz in Berlin auf die Beine zu stellen. Ein Termin oder mögliche Teilnehmer stehen noch nicht fest.

(an/dpa)

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