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Gefahr von bis zu zwei Millionen neuen Flüchtlinge droht

11.6.2019 15:03 Uhr

Bis zu 2 Millionen Flüchtlinge könnten in die Türkei fliehen, wenn sich die Kämpfe im Nordwesten Syriens verschärfen, da die Hilfsgelder gefährlich knapp werden, sagten die Vereinten Nationen am 10. Juni. Das von Russland unterstützte syrische Militär hat mit Luftangriffen und Bodenkämpfen einen Angriff auf Rebellen in ihrer letzten großen Festung gestartet. Die Kämpfe haben bereits Zehntausende gezwungen ihre Häuser zu verlassen.

"Wir befürchten, wenn dies so weitergeht und die Zahlen weiter steigen und sich der Konflikt verschärft, könnten wir wirklich Hunderttausende, eine Million, vielleicht auch zwei Millionen Menschen in Richtung der Grenze zur Türkei aufbrechen", sagte der Koordinator der Vereinten Nationen für die Türkei Syrien- Krise, Panos Moumtzis. Der Angriff seit Ende April, der sich hauptsächlich auf die südlichen Teile der Provinz Idlib und die angrenzenden Teile von Hama und Latakia konzentriert, markiert den intensivsten Konflikt zwischen Präsident Bashar al-Assad und seinen aufständischen Feinden seit letztem Sommer. Moumtzis teilte Reuters in Genf mit, dass sich die Situation verschlechtere.

Die Türkei und Russland haben im vergangenen September vereinbart, Idlib in eine Deeskalationszone zu verwandeln, in der Aggressionen ausdrücklich verboten sind. Das syrische Regime soll jedoch konsequent die Bedingungen des Waffenstillstands gebrochen und häufige Angriffe innerhalb der Zone gestartet haben. In einem Telefonat am 30. Mai erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gegenüber seinem russischen Amtskollegen Vladimir Putin, dass Angriffe des syrischen Regimes in der Nähe von Idlib, die hauptsächlich auf Zivilisten abzielen, verhindert werden müssten, da ansonsten das Risiko eine hohen Flüchtlingszahl drohe.

Ein humanitäres Alptraumszenario in Syrien

"Wir sehen eine Offensive, die sich wirklich auf Krankenhäuser und Schulen in zivilen Gebieten richtet. In Gebieten, in denen die Bevölkerung lebt oder wo sich Angriffe auf diese auswirkt und die nach dem humanitären Völkerrecht eigentlich nicht stattfinden sollte", sagte Moumtzis. Hilfsorganisationen wurden ermutigt, ihren Aufenthaltsort mit den Kriegsparteien zu teilen, um nicht getroffen zu werden. Aber nach wiederholten Luftangriffen auf Krankenhäuser misstrauten viele Helfer solchen Anfragen, sagte Moumtzis. "Es ist eine Katastrophe, was passiert ist ... der Menschheit zuliebe muss eingegriffen werden", sagte er.

"Vor einigen Monaten haben wir darum gebeten sicherzustellen, dass dieses Alptraumszenario nicht stattfinden wird. Eigentlich entfaltet es sich vor unseren eigenen Augen, während wir sprechen." Die Vereinten Nationen forderten in diesem Jahr 3,3 Milliarden US-Dollar für die humanitäre Arbeit in Syrien. Trotz großzügiger Zusagen wurden bisher nur 500 Millionen US-Dollar für die Hilfe bereitgestellt, so Moumtzis.

(Hürriyet.de)