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Gefahr von Angriffstunneln immer noch akut

11.6.2019 22:14 Uhr

Einer Expertin zufolge ist die Gefahr nach der Zerstörung mehrerer Tunnel der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah nicht vollständig gebannt. Daphne Richemond-Barak, Forscherin und Autorin des Buchs "Underground warfare" (Untergrund-Kriegsführung), befürchtet, dass das Versiegeln der Tunnel nicht ausreicht - und dass die Versiegelung durchbrochen werden könnte.

Israel hat nach eigenen Angaben seit Ende vergangenen Jahres insgesamt sechs Angriffstunnel aus dem Libanon im Grenzgebiet gefunden, drei davon führten schon in israelisches Gebiet. Ende Mai zerstörte die Armee demnach den letzten der Tunnel.

Kann die Hamas Israel überraschen

"Ich mache mir Sorgen, was das für die nächsten zehn Jahre bedeutet", sagte Richemond-Barak vor Journalisten. Israel könnte von der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen oder der Hisbollah überrascht werden. "Wir werden vermutlich mehr dieser Tunnel in den Golanhöhen sehen." Die Golanhöhen sind ein von Israel besetztes syrisches Felsplateau.

Die Hisbollah hatte die israelischen Vorwürfe zunächst zurückgewiesen. Später sagte Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah dem libanesischen Fernsehen, einige der Tunnel seien bereits vor mehr als zehn Jahren gegraben worden. Die Tunnel seien nur ein kleiner Teil der Hisbollah-Strategie, Israel anzugreifen, falls es zu einem Krieg kommen sollte.

Mitarbeiter der UN-Friedensmission Unifil im Libanon haben die Existenz der drei Tunnel bestätigt, die nach Israel führten. Nach Unifil-Angaben verstießen diese gegen die Resolution des UN-Sicherheitsrats, mit der 2006 der Krieg zwischen dem Libanon und Israel beendet wurde.

(an/dpa)