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Gedenken an Laz-Rock-Legende Kazim Koyuncu

27.6.2020 13:15 Uhr

Kazim Koyuncu, der es schaffte, traditionelle Volksmusik aus dem Schwarzen Meer mit Rock-Rhythmen zu verbinden, wurde am 25. Juni anlässlich seines 15. Todestags gewürdigt.

Anfang dieser Woche kündigte die Familie von Kazim Koyuncu aufgrund des Ausbruchs des neuartigen Coronavirus die Absage seiner jährlichen Gedenkfeier in seiner Heimatstadt Artvin an. In einer Erklärung schlug die Familie des Musikers alternative Wege vor, um den einzigartigen Künstler zu ehren, wie z. B. am 25. Juni in den Himmel lächelnd zu schauen, ein Bild zu malen oder seine Musik zu hören.

Eine Mischung aus Volksmusik und Rock

Kazim Koyuncu machte eine neue Art von Musik, die bei den Menschen in der türkischen Schwarzmeerregion gefeiert wurde. Er spielte traditionelle Instrumente wie Saiten-Kemenche und Tulum (Dudelsack), die vor allem im Laz-Volk gespielt werden, und kombinierte die Musik aus der Schwarzmeerregion schließlich mit Melodien von E-Gitarren, Bassen und Schlagzeugen.

Die offizielle Größe der Laz-Bevölkerung in der Türkei ist unbekannt, jedoch leben Angehörige hauptsächlich im nordöstlichen Teil der türkischen Schwarzmeerregion. Die Grenzen reichen hier auch nach über Georgien. Im Jahr 2001 stufte die UNESCO die Laz-Sprache mit rund 130.000 bis 150.000 Sprechern in der Türkei und in Georgien als gefährdet ein.

Das Leben einer Legende

Der Musiker Kazim Koyuncu wurde am 7. November 1971 im Distrikt Hopa in der Schwarzmeerprovinz Artvin geboren. Seine Geburt wurde allerdings erst etwa ein Jahr später offiziell eingetragen, was damals üblich war. Als erstes Instrument erhielt der Künstler eine Mandoline, die er während der Sekundarschule zu spielen begann.1989 schrieb er sich an der Universität Istanbul ein, machte aber letztendlich keinen Abschluss. Er widmete sich in der Zeit lieber der Musik und gründete 1992 seine erste Band.

Einige Jahre später gründete Koyuncu die Band "Zugasi Berepe", die erste Laz-Musik-Rockband der Türkei. Zugasi Berepe bedeutet auf Türkisch „Denizin Çocukları“ und ins Deutsche übersetzt „Die Kinder des Meeres“. Er sang hier nicht nur auf Türkisch, sondern auch auf Lazuri sowie in anderen Sprachen aus dem Nordwesten der Türkei wie Hemsin und Georgisch. Das erste Album der Band, das von der Kritik gefeierte „Va Mskunan“ („We Don't Know“), kam 1995 in die Regale der Läden. Nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums, „Igzas“ („Walking“), trennte sich jedoch die Band wieder im Jahr 1996.

Aufnahme von Kazim Koyuncu (Bild: DHA)

Später begann Koyuncu schließlich mit seinem ersten Album „Viya“ eine Solokarriere. Im Jahr 2002 wurde er berühmt, als er die Partitur für eine Blockbuster-TV-Serie, „Gülbeyaz“, drehte, die sich auf das Leben der Einheimischen am Schwarzen Meer konzentrierte. Sein zweites Album, „Hayde“ („Let's Go“), erschien 2004, im selben Jahr, in dem bei ihm Krebs diagnostiziert wurde. Trotz der Warnungen seiner Ärzte gab er weiterhin Konzerte und trat vor zahlreichen Menschen auf.

Er starb 2005 im Alter von 33 Jahren und wurde in Hopa, dem Bezirk seiner Geburt, beigesetzt. Viele machten die Auswirkungen der Strahlung der Atomkraftwerkskatastrophe von Tschernobyl 1986 in der Ukraine als Ursache für die Krankheit von Koyuncu verantwortlich. Als die Katastrophe geschah, war der Musiker erst etwa 15 Jahre alt.

(gi)

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