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Galatasaray mit dürftigem Remis in Alanya

2.2.2019 18:57 Uhr, von Chris Ehrhardt

Nachdem in der türkischen Süper Lig quasi alle Teams erst einmal für Galatasaray Istanbul spielten und sich gegenseitig die Punkte nahmen, musste das Team von Fatih Terim bei Alanyaspor nachlegen. Mit einem Sieg würde man Tabellenführer Basaksehir unter Druck setzen. Das klappte nicht so ganz und es blieb bei einem Remis in einem zerfahrenen Spiel.

Mit der Aufstellung von Cimbom war klar, woher der Wind wehen würde. Marcao in der Startelf, Luyindama und Mitroglou ebenso. Hinten dicht machen und dann nach vorne mit Volldampf in die Box. In den ersten Minuten ging es darum, dass man die Laufwege studiert und sich ans Spiel in der Türkei gewöhnt. Schon in der 6. Minute holte sich dann Luyindama die Gelbe von Schiri Ulusoy für eine Aktion gegen Abel Campos ab, über die man in Belgien wahrscheinlich nicht einmal mit den Schultern gezuckt hätte. Daran muss er sich sicher erst gewöhnen. In der Folge war das Spiel in den ersten zehn Minuten auch nicht sonderlich erbaulich. Die Neuen wurden jedenfalls sehr oft von den Mitspielern gesucht, gefunden und machten ihre Sache erwartet ordentlich. In der 13. Minute prüfte Cisse für die Gäste aus Alanya Muslera und der Nationalkeeper war auf dem Posten.

Viele kleine Fouls aus Unvermögen machten das Spiel zäh

Interessant war in der 14. Minute, dass Gülselam weitaus rustikaler als zuvor Luyindama zulangte und Ulusoy den farbigen Karton in der Brusttasche ließ. Die Sichtweise hatte der Unparteiische sehr exklusiv. Junior Fernandes prüfte in der 15. Minute erneut Muslera aus 16 Metern per Direktabnahme und wieder war der Keeper Endstation. In der 18. Minute war bereits verletzungsbedingt nach einem Schlag auf die Wade Schluss für Mariano und Terim musste Ömer Bayram aufs Feld schicken. Die Löwen taten sich bis hier extrem schwer, gegen die vielbeinige Abwehr von Alanya durchzukommen. Da wurden keine Lücken sichtbar. Das Heimteam machte die Luft im Strafraum dünn für die Gäste und bei Angriffen von Cimbom hatten man das Gefühl, ganz Alanya stünde in der Box. Bei jeder Attacke von Galatasaray zog sich Alanya sofort zurück und stand mit allen Feldspielern in oder um den Strafraum herum.

Hinzu kam, dass es viele kleine Fouls gab, die das Spiel sehr zäh machten. Das lag aber vor allen Dingen auf Seiten von Alanya nicht an "Bösartigkeit" oder Absicht, sondern eher am fußballerischen Unvermögen. In weniger als 30 Minuten an Spielzeit gab es zweistellig an Unterbrechungen wegen Foulspiels. Ulusoy pfiff dazu noch extrem kleinlich, was den Spielfluss zusätzlich massiv abwürgte. Fast jeder Zweikampf – den man, anders als beim Schach, beim Fußball kaum vermeiden kann – wurde durch einen Pfiff des Fans vom körperlosen Spiel unterbunden. So dümpelte das Spiel bis zur 40. Minute hin und man hatte mehr den Unparteiischen im Bild, als dass irgendwelche Matchszenen von längerer Dauer gezeigt werden konnten. In der 40. Minute nahm sich Junior Fernandes bei einem Konter über rechts ein Herz und zog herzhaft ab. Muslera musste da nachfassen.

Kurioses Führungstor für die Hausherren

In der Folgezeit dreht dann Alanyaspor etwas auf, agierte aber zuerst stets sehr hektisch und unpräzise. In der 44. Minute hämmerte dann Efecan zuerst Luyindama und dann Marcao grobmotorisch von den Beinen – und wieder blieb die Pfeife stumm. Galatasaray fand mittlerweile nach vorn nicht mehr wirklich statt. Da war das 1:0 für Alanya fast schon logisch und das in der 49. Minute (45 + 4). Langer und planloser Ball von Alanya nach vorne, Junior Fernandes wuselte sich per Kopf an den Ball und Campos trat linkisch per Direktabnahme unter den Ball. Den traf er aber so falsch-richtig, dass der noch viel verkehrter stehende Muslera von der Bogenlampe überrascht und düpiert wurde. Die Kugel senkte sich mehr aus Versehen, denn aus Absicht genau in den Winkel – ein schräges 1:0 für Alanyaspor.

Galatasaray zuerst mit vielen unnötigen Ballverlusten durch unpräzises Spiel

Galatasaray knüpfte nahtlos da an, wo man die erste Hälfte beendet hatte. Man suchte Mittel und Wege, den Riegel der Hausherren zu knacken. Das gelang eher weniger, denn viele eigene Zuspiele waren selbst auf kurze Distanz einfach nur schlecht und brachten so Ballverluste, die nicht sein mussten. Und in der 52. Minute kam dann aus dem Nichts der Ausgleich! Belhanda mit einem schönen Ball in die Box, Feghouli bedankte sich, zog von rechts etwas nach innen und prügelte das Leder ins Netz. Keeper Yilmaz gab hier nicht die glücklichste Figur ab, auch wenn der Schuss aus spitzem Winkel ein echtes Pfund war – 1:1. In der 55. Minute war für Neuzugang Mitroglou dann Ende und Knipser Gümüs durfte aufs Feld. Nun drehte auch Galatasaray etwas auf. Hatte man gar erkannt, dass man einen Riegel wie den von Alanya nur durch schnelle Zuspiele wunderbar aushebeln kann?

In der Folge entwickelte sich dann doch noch etwas wie ein Fußballspiel. Es ging hin und her, ohne dass dabei zunächst etwas Zählbares unter dem Strich herauskam. Aber es war weitaus besser anzusehen als das, was die 45 Minuten der ersten Halbzeit zeigten. Auch Alanyaspor versuchte nun gezielt nach vorne zu operieren, offenbarte damit aber auch einmal mehr seine Schwächen bei der Präzision. Ab der 70. Minute ebbte der Druck von beiden Teams etwas ab und man nahm sich die obligatorische Auszeit. In der 73. Minute geschah Außergewöhnliches: die erste Ecke im Spiel für Galatasaray. Und in der 74. Minute gab es sofort die zweite Ecke – damit führten die Löwen nach Ecken 2:1, was viel über das Spiel und den Zug zum Tor auf beiden Seiten aussagt.

Welches Team würde die furiose Schluss-Viertelstunde beginnen?

Alanya versuchte es zuerst, holte aber nur den zweiten Eckball durch Junior Fernandes raus. Der brachte wenig ein, aber es stand nun auch nach Ecken unentschieden - 2:2. In der 79. Minute ein Konter von Galatasaray. Feghouli spielte schnell in die Spitze, doch Sinan Gümüs machte sich einen Knoten in die eigenen Beine und verstolperte den wirklich gut getimten Pass. Erneuter Konter in der 81. Minute. Sinan Gümüs auf Feghouli, der spielte in die Mitte und das war so schlecht gemacht, dass Alanya leicht verteidigen konnte. Neuer Versuch von Cimbom in der 83. Minute und diesmal war es Belhanda, der so schlimm und überhastet in die Mitte flankte, dass die gute Möglichkeit verdaddelt wurde. In der 85. Minute versuchte sich Gümüs – abgeblockt und dritte Ecke, die wieder nichts einbrachte.

In der 88. Minute hätte Belhanda die Chance gehabt, mal herzhaft auf den Kasten von Yilmaz zu knallen - doch es wurde nur ein Gewaltroller, der sich leicht blocken ließ. Galatasaray rannte nun mehr und mehr die Zeit weg, doch noch drei Punkte aus Alanya mitzunehmen. In der 90. Minute kam es nach einem Foul von Tzavellas an Gümüs, der sich sofort revanchierte, zur obligatorischen Rudelbildung. Und sofort wurden vier Minuten Nachspielzeit angezeigt. In den vier Minuten geschah dann nichts mehr und die Löwen haben erst einmal zwei Punkte eingebüßt. Gewinnt morgen Basaksehir bei Akhisar, wird das richtig wehtun, denn in Alanya war weit mehr drin.