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Fußball: Türkische Dorfbewohner spielen in der "Dülük Süper Lig"

10.3.2020 11:00 Uhr

Das Dorf Dülük in der südostanatolischen Provinz Gaziantep hat 2686 Einwohner. Und 250 von ihnen haben sich auf acht Fußballteams aufgeteilt und ihre eigene Fußball-Süper-Lig gegründet. Das ist nicht nur ein Hobbykick, denn hier richtet sich alles nach den offiziellen Regeln des Türkischen Fußballverbands TFF, der UEFA und der FIFA - von der Abseitsregel bis hin zu einem eigenen VAR (Video Assistant Referee).

Gründung vor sechs Jahren

Die "Dülük Süper Lig" wurde vor sechs Jahren mit acht Teams gegründet. Jeden Sonntag treten die Teams auf dem Hartplatz gegeneinander an, während ihre Familien am Spielfeldrand jubeln – manchmal sogar für beide Mannschaften, denn es gibt Familien, die Mitglieder in mehreren Teams haben.

In der Dülük Süper Lig läuft alles nach den offiziellen Regeln ab (Bild: dha)

"Ausländer-Regelung"

In der Dülük Süper Lig läuft alles ganz genau nach den offiziellen Regeln. So sorgt ein siebenköpfiges Gremium dafür, dass sämtliche Vorschriften penibel genau eingehalten werden - von der Punktetabelle bis hin zu Transfers. Apropos Transfers: In jeder Saison gibt es eine einwöchige Transferphase, in denen die Spieler innerhalb der Teams wechseln dürfen. Und nachdem bisher nur in Dülük gemeldete Spieler auf den Platz durften, hat man jetzt sogar eine eigene "Ausländerregelung": Es darf ein Spieler auflaufen, der nicht in Dülük gemeldet ist.

Ein VAR ohne Video

Die Fußball-Föderation von Dülük hat sich sogar ein eigenes VAR-System organisiert. Allerdings nicht mit einem Videobeweis, sondern mit einem eigens dafür gesetzten vierten Schiedsrichter, der das Geschehen ganz genau verfolgt.

Der Videoassistent ist in der Dülük Süper Lig menschlich (Bild: dha)

Wie der Präsident des Clubs Dülükspor, Ahmet Bilen, sagt: "Am Anfang hatten wir nur einen Schiedsrichter. Als der TFF die VAR-Regelung einführte, haben wir nach unseren Möglichkeiten versucht, ein ähnliches System in die Spiele zu integrieren. Alle Regeln des TFF gelten auch in unserer Liga. Zu Anfang wollten wir nur einen Club anmelden, doch weil es zu viele potenzielle Spieler gab, haben wir uns auf dieses System mit mehreren Clubs geeinigt."

Spieler von 17 – 55 Jahren

Momentan sind die Mannschaften altersmäßig wild gemischt: "Wir haben 55-jährige Spieler genauso wie 17-Jährige. Wir haben Teams, in denen Vater und der erste Sohn gemeinsam auf dem Platz stehen – und der zweite Sohn für die gegnerische Mannschaft aufläuft."

Die Familien stehen sonntags am Spielfeldrand und jubeln einfach beiden Mannschaften zu. Wie Ahmet Bilen weiter verriet, sei man sehr zufrieden mit der Entwicklung der "Süper Lig": Wir haben hier etwas Tolles geschaffen, das gesamte Dorf kommt zusammen und verfolgt die Spiele ganz genau." Man habe ein gemeinsames Event geschaffen, welches das Dorf näher zusammengebracht habe und darauf sei man sehr stolz. Wenn möglich, wolle man die Dülük Süper Lig auch weiter ausbauen.

Für die Familien am Spielfeldrand sind die Spiele ein Grund, zusammenzukommen (Bild: dha)

Unterstützung durch die Stadtverwaltung

Auch der Gouverneur von Gaziantep, Davut Gül und die Oberbürgermeisterin Fatma Sahin sind von der eigenen Fußball-Liga begeistert. Man werde auch weiterhin unterstützend eingreifen, beispielsweise bei der Bereitstellung von Equipment. Auch ein Ausbau des bisher behelfsmäßigen Sportplatzes – eigentlich nur ein festgetretenes Feld – soll in der nahen Zukunft angegangen werden.

Wer anfängt, entscheidet ein Münzwurf (Bild: dha)

Der Präsident der eigens gegründeten Dülük Fußball Föderation (DFF), Rasim Durmaz, sieht durch das gemeinsame Fußballspielen positive Auswirkungen. Die Menschen gehen respektvoller miteinander um und auch die Jugendlichen würden durch das gemeinsame Miteinander positiv beeinflusst.

(Berna Ehrhardt)

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