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Fünf Millionen Flüchtlinge in der Türkei: “Wir haben kein Migrationsproblem”

18.6.2020 13:15 Uhr

Fünf Millionen Flüchtlinge leben derzeit in der Türkei, 3,6 Millionen davon sind syrische Staatsbürger. Das sagte Abdullah Ayaz, Generaldirektor der türkischen Migrationsbehörde, bei einer Online-Schalte im Rahmen des internationalen Migrationsfilmfestivals.

Die meisten Syrer (98 Prozent) würden demnach in Städten leben. Der Rest wäre entweder in den landesweiten Lagern untergebracht oder bereits wieder in ihre Heimat zurückgekehrt (400.000).

"Die Türkei beherbergt so viele Migranten wie kein anderes Land und wir haben die Massenflucht seit Beginn des Kriegs in Syrien 2011 sehr gut bewältigt. Die Türkei hat kein Migrationsproblem", sagte Ayaz. Der Beamte betonte in dem Zusammenhang, dass die Syrer natürlich vom türkischen Gesundheitssystem profitieren würden, aber nur 1,3 Millionen Syrer vom Staat finanziell unterstützt würden.

"Jede Zahl steht für ein Menschenleben"

Derzeit sind weltweit rund 79 Millionen Menschen auf der Flucht. Das sind so viele wie noch nie. Eine Zahl, die auch Ayaz Sorge bereitet. "Wenn es uns nicht gelingt, die Ursachen der Migration in den Griff zu bekommen, wird auch die Türkei irgendwann ein Migrationsproblem bekommen“, erklärte er.

Die Flüchtlings-Statistiken seien nur Zahlen, so der Funktionär weiter. "Aber jede dieser Zahlen, die wir schnell durchstreichen, steht für ein Menschenleben. Es mangelt an Empathie für Migranten auf der ganzen Welt", beklagt Ayaz.

Im März 2016 hatte die Europäische Union mit der Türkei eine Vereinbarung getroffen, um den Flüchtlingsstrom nach Europa - vor allem von Syrern - zu verhindern. Dafür zahlt die EU der Türkei bis 2025 sechs Milliarden Euro, wovon schon knapp die Hälfte überwiesen wurde.

(bl)

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