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Fußballplatzstreit: Staatsanwälte lassen Lehrer festnehmen

1.3.2019 21:21 Uhr

Ein Konflikt um ein Fußballspiel – oder besser gesagt einen Fußballplatz – hat zu reichlich Aufregung in der Türkei geführt. Eine Gruppe Staatsanwälte hat am 27. Februar im Cermik-Bezirk von Diyarbakir die Inhaftierung von 14 Lehrern angeordnet, weil diese angeblich den von den Staatsanwälten reservierten Fußballplatz blockierten.

Das Problem: die Staatsanwälte hatten sich schlicht mit der Zeit vertan. Während die Lehrer den Platz für 21 bis 22 Uhr gebucht hatten, waren die Staatsanwälte von 22 bis 23 Uhr dran. Doch sie kamen eine Stunde zu früh und forderten die Lehrer auf, den Platz unverzüglich zu räumen. Als die Lehrer sich der Aufforderung jedoch widersetzten und ihr Spiel fortsetzen wollten, ließen die Staatsanwälte sie kurzerhand festnehmen.

Die Lehrer kamen am gleichen Abend noch frei – allerdings erst, als die Staatsanwälte ihr Spiel beendet hatten. Es wurden keinerlei Anschuldigungen oder Anklagen gegen die 14 Lehrer erhoben. Doch für die Staatsanwälte dürfte diese schräge Aktion durchaus ernsthafte Konsequenzen haben.

Untersuchung eingeleitet

Der türkische Justizminister Abdulhamit Gül kündigte an, dass der Vorfall durch den Obstersten Rat der Richter und Staatsanwälte geprüft werden würde. "Wir werden prüfen, ob die Staatsanwälte die ihnen verliehenen Kompetenzen überschritten haben. Ich möchte betonen, dass niemand, auch nicht Mitglieder der Judikative, über dem Gesetz steht. Tatsächlich sind die Mitglieder der Justiz auch dafür verantwortlich, dass sie das Gesetz befolgen und es für andere Personen ausführen. Jeder, unabhängig von seiner Profession, ist vor dem Gesetz gleich."

Auch Bildungsminister Ziya Selcuk meldete sich via Twitter zu Wort: "Der Vorfall in Cermik, der gegen unsere Lehrer gerichtet war, hat uns sehr betrübt. Das Justizministerium hat die nötigen Schritte eingeleitet. Wir hoffen, dass sich solch ein Vorfall nicht wiederholt."

Lehrer sind nicht ohne Schutz

"Lehrer sind in diesem Land keine 'Stiefkinder' ohne Schutz. Die Inhaftierung von 14 Lehrern im Distrikt Çermik von Diyarbakır hat uns sehr beunruhigt “, schrieb der stellvertretende Minister des Bildungsministeriums, Mustafa Safran, ebenfalls auf seinem Twitter-Konto.

"Die Justiz kann nicht für persönliche Wünsche ausgenutzt werden. Ich verurteile diese Behandlung unserer Lehrer aufs Schärfste", sagte Hamza Aydogdu, der Personalmanager des Bildungsministeriums.

(Berna Ehrhardt)