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Friedrich siegt im Viererbob

1.3.2020 18:17 Uhr

Francesco Friedrich hat in seiner Heimat endgültig den Thron des Bobsports erobert. Der Sachse gewann am Sonntag bei der WM auf seiner Hausbahn in Altenberg auch das extrem enge Vierer-Rennen, führte dabei einen deutschen Dreifachsieg an und darf sich nun Rekordweltmeister nennen - gleichauf mit dem legendären Italiener Eugenio Monti, der seine Erfolge vor rund 60 Jahren gefeiert hatte.

"Das ist Wahnsinn, mit so einem Herzschlagfinale. Wir haben das gerade so über die Klinge gebracht", sagte Friedrich in der ARD: "Es war schon sehr schwierig bei den Bedingungen. Am Ende stand die 1. Das zählt." Der Entscheidung war eines der engsten Rennen der vergangenen Jahre vorausgegangen. Nur fünf Hundertstel lag Friedrich nach vier Läufen vor Johannes Lochner, weitere 18 Hundertstel dahinter landete Nico Walther auf dem Bronzerang.

Historischer Sieg von Friedrich

Noch enger war es 2017 zugegangen, als Friedrich und Lochner am Königssee zeitgleich Weltmeister wurden. Damals sorgte Walther als Dritter für den ersten Dreifachsieg in der mehr als 90-jährigen WM-Geschichte, in Altenberg wiederholte das Trio nun dieses Kunststück. Doch alles wurde am Sonntag überstrahlt von diesem historischen Sieg des Sachsen, mit dem gleich einige Bestmarken fielen. Mit insgesamt neun Titeln insgesamt im Vierer und Zweier liegt Friedrich nun gleichauf mit Monti, zudem holte er wie einst die deutsche Bob-Ikone Andre Lange dreimal in Folge Vierer-Gold. Das dritte Doppel aus Zweier- und Vierer-Titel schaffte Friedrich als Erster.

Das alles ist bemerkenswert, aber wohl längst nicht das Ende der Geschichte. Friedrich ist erst 29, für einen Bob-Piloten ist das noch kein Alter. Die einzige große Bestmarke, die ihm noch fehlt, sind die vier Olympischen Goldmedaillen von Andre Lange. Gut möglich, dass Friedrich noch die Winterspiele in Peking 2022 und in Mailand 2026 bleiben, um das zu erreichen. Ausgerechnet auf seiner Heimbahn in Altenberg sprach allerdings lange Zeit einiges dafür, dass Friedrichs WM-Serie endet. Schon zuvor hatte Bundestrainer Rene Spies das Vierer-Rennen zum Kampf um Hundertstel erklärt und dabei ausdrücklich die internationalen Größen eingeplant: Justin Kripps aus Kanada und den Letten Oskars Kibermanis.

Fünf Starter lagen innerhalb von neun Hundertstelsekunden

Und schon zur Wettkampf-Halbzeit deutete sich ein Krimi an. Die ersten fünf Starter lagen innerhalb von neun Hundertstelsekunden, die Reihenfolge: Walther, Kibermanis, Lochner, Friedrich und Kripps - der Kanadier war zeitgleich mit Friedrich, musste nach Lauf zwei aber wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel aussteigen. In Lauf drei spitzte sich das Geschehen weiter zu. Kibermanis fiel zurück, dafür rückten die drei Deutschen näher zusammen: Friedrich und Walther gleichauf an der Spitze, Lochner nur eine Hundertstelsekunde dahinter. Auffällig dabei, dass Friedrich tendenziell mehr Fahrfehler beging als seine beiden Gegner, dank seiner starken Startzeiten aber gleichauf lag.

"Das ist geil, was alle hier abliefern", sagte Lochner, "eine Hundertstel ist quasi nichts. Da darf man eigentlich nicht mehr drüber nachdenken, sonst geht es in die Hose. Kopf ausschalten und runter ins Ziel." Das gelang dann wie so oft Friedrich am besten. Der letzte Lauf wurde zur Prüfung nicht nur im Kampf um Gold, zwei Schlitten aus dem hinteren Feld stürzten auf der schwierigen Bahn spektakulär, dazu setzte über dem Erzgebirge auch noch Regen ein, der sich wenig später in Schnee verwandelte. Pünktlich zum Finale kam Friedrich fehlerfrei durch die Eisrinne und war damit nicht zu schlagen.

(ce/afp)

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