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Frankreichs Selbstkritik nach Türkei-Niederlage

9.6.2019 13:00 Uhr, von Chris Ehrhardt

Weltmeister Frankreich war zum EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei nach Konya gereist, um dort seine Tabellenführung zu zementieren. Mit der historischen 0:2-Niederlage war das Gegenteil der Fall. Die Les Bleus sind auf dem zweiten Platz und die Türkei führt die Gruppe an. Die Stars der Equipe Tricolore analysierten im Nachgang die Gründe, warum es zur Niederlage kam und übten sich in Selbstkritik.

Das, was in Konya auf dem Platz passierte, war weit von dem entfernt, was man vom Weltmeister Frankreich kennt. Blutleer, pomadig, uninspiriert, lustlos, ohne Ideen und ohne jeden direkten Zug zum gegnerischen Tor – das beschreibt im Grunde den Auftritt der deutschen Mannschaft bei der WM 2018 in Russland, welche die Les Bleus so eindrucksvoll gewinnen konnten. Entsprechend deutlich waren auch die Aussagen nach dem Spiel. So sagte Trainer Didier Deschamps, dass es sehr selten geschehen würde, dass Frankreich ohne Torerfolg und sogar ohne jeden Schuss aufs Tor das Feld verlassen würde. Das Spiel sei für seine Truppe und ihn selbst eine schallende Ohrfeige gewesen. Dabei versuchte zumindest der Coach die Leistung des Gegners über den grünen Klee zu loben und da die Ursachen für die Niederlage zu suchen. Seine Spieler waren jedoch deutlicher in ihren Analysen.

Wille zu gewinnen fehlte vollkommen

Benjamin Pavard, der Verteidiger, der noch beim VfB Stuttgart unter Vertrag steht und in der kommenden Saison beim FC Bayern München spielen wird, sah einen Grund für das eigene Versagen in der Müdigkeit und der Erschöpfung der Spieler. Man sei nicht mit der richtigen Einstellung auf den Platz gegangen und da würde es auch keine Rolle spielen, dass der Gegner insgesamt weit weniger Spiele als die französischen Spieler absolviert habe. Es dürfe und werde keine Ausreden für die schwache Vorstellung der Equipe Tricolore geben dürfen. Pavard vermisste den Willen, das Spiel zu gewinnen. Kein Spieler habe seine Leistung abgerufen. Man solle das Spiel möglichst schnell vergessen und sich auf den Gegner Andorra konzentrieren.

Superstar Paul Pogba von Manchester United fand ebenso deutliche Worte und bemängelte, dass Frankreich selbst die leichtesten Pässe nicht gelungen seien. Nichts sei auch nur ansatzweise gelungen und dann haben man sich sofort bei der ersten Chance des Gegners die Bude gefangen. Er sah sein Team über die gesamte Spielzeit viel zu harmlos und er kritisierte, dass man nie Gefahr ausstrahlte. Das würde der Umstand zeigen, dass man nicht einen Torschuss aufs gegnerische Gehäuse brachte. Pogba selbst sagte, er könne sich nicht mehr zurückerinnern, wann Frankreich zuletzt so grottenschlecht gespielt habe.

Ohne Aggressivität auf dem Platz gestanden

Moussa Sissoko, der bei den Tottenham Hotspur unter Vertrag steht, sieht die Niederlage aber auch als Chance. Man würde je wissen, welche Fehler man machte und die müsse man ausmerzen. Er stellte heraus, dass man die richtigen Lehren ziehen müsse. Deutlicher wurde wieder Ferland Mendy, der linke Außenverteidiger von Olympique Lyon. Nach seiner Analyse ließen die Les Bleus es an jeder Aggressivität auf dem Platz vermissen. Zudem sei da nichts an Ausdauer oder Spielrhythmus erkennbar gewesen – Dinge, welche die Equipe Tricolore normalerweise auszeichnen. Und auch er sagte deutlich, dass es nicht der Anspruch des Weltmeisters sein könne und dürfe, nicht einen gefährlichen Torschuss über 90 Minuten zu generieren.

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