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Frankreich liefert mutmaßlichen Junta-Peiniger an Argentinien aus

16.12.2019 22:15 Uhr

Frankreich hat einen mutmaßlichen Peiniger von Opfern der argentinischen Militärdiktatur an Argentinien ausgeliefert. Das Flugzeug mit dem beschuldigten Ex-Polizisten Mario Sandoval an Bord landete am Montagmorgen (Ortszeit) in Buenos Aires. Sandoval lebte seit 1985 in Frankreich im Exil und wurde seit 2012 in Argentinien wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung am Verschwinden des Architekturstudenten Hernán Abriata im Oktober 1976 gesucht.

"Alles verlief wie erwartet", sagte ein Anwalt, der in dem Fall den argentinischen Staat vertritt, der Nachrichtenagentur AFP. Die argentinische Justiz verdächtigt Sandoval, in insgesamt mehr als 500 Fälle von Mord, Folter und Freiheitsberaubung verwickelt gewesen zu sein. Das argentinische Auslieferungsgesuch betraf allein das Verschwinden Abriatas, weil ihr in diesem Fall ein Dutzend Zeugenaussagen vorliegen. Der Student war in der Marine-Ingenieursschule Esma festgehalten worden, einem Folterzentrum während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983, in dem etwa 5000 Menschen verschwanden. Viele der Folteropfer wurden von Flugzeugen aus in den Río de la Plata geworfen. Abriatas Leiche wurde nie gefunden.

Frankreich hatte der Auslieferung Sandovals im August vergangenen Jahres zugestimmt. Dagegen war der Ex-Polizist in Berufung gegangen. Die Vorwürfe der argentinischen Justiz bestreitet er. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) wies jedoch vergangene Woche Sandovals Antrag auf Aussetzung seiner Auslieferung ab. Am Mittwoch wurde der 66-Jährige in einem Vorort von Paris verhaftet. Während der Schreckensherrschaft der argentinischen Militärdiktatur wurden zehntausende Menschen getötet oder Opfer der Repression der Junta.

(ce/afp)

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