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Frankreich: Gewerkschaften rufen zu weiteren Streiks auf

7.12.2019 20:11 Uhr

Es sind die größten Proteste seit den Hochzeiten der Gelbwesten. Reisende in Frankreich werden auch in den kommenden Tagen mit Einschränkungen rechnen müssen.

Die Gewerkschaften riefen am Samstag zu einer Ausweitung der Proteste auf. "Wir fordern, dass die Bewegung an diesem Wochenende fortgesetzt und ab Montag verstärkt wird", sagte Lauren Brun von der Gewerkschaft CGT. Die Pariser Nahverkehrsgesellschaft RATP kündigte "extreme Störungen" im öffentlichen Verkehr auch am Sonntag und Montag an. Am Nachmittag fand in Paris eine jährliche Demonstration gegen Arbeitslosigkeit und prekäre Arbeitsverhältnisse statt, die nun auch die Kritik an der geplanten Rentenreform aufgriff. Außerdem gingen erneut rund tausend Anhänger der "Gelbwesten"-Bewegung auf die Straße, unter die sich Mitglieder der kommunistischen CGT mischten, wie ein AFP-Reporter berichtete.

"Wir dürfen nicht nachgeben"

Eine der Organisatorinnen des "Gelbwesten"-Protests, Sophie Tissier, warf Präsident Emmanuel Macron vor, mit seiner "ungerechten Rentenreform" bis zum Ende zu gehen. "Wir dürfen nicht nachgeben", sagte sie. Auch in anderen Städten gingen Menschen gegen die geplante Rentenreform auf die Straße. Aus Nantes, wo sich rund 2800 Menschen an der Demonstration beteiligen, wurden Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gemeldet. In Marseille beteiligten sich rund 1800 Menschen, darunter auch Anhänger der "Gelbwesten" an einer Kundgebung, zu der die CGT aufgerufen hatte.Im Zugverkehr gab es erneut erhebliche Einschränkungen. Die staatliche Bahngesellschaft SNCF teilte mit, nur zehn bis 15 Prozent der Pariser Vorortzüge und jeder sechste TGV-Schnellzug seien in Betrieb. Laut RATP blieben zudem neun Metro-Linien geschlossen.

Autobahnen lahmgelegt

Zudem legten Lkw-Fahrer den Verkehr auf mehreren Autobahnen des Landes lahm, um gegen Pläne einer höheren Besteuerung von Treibstoff zu protestieren.Auch für Sonntag wurden erhebliche Beeinträchtigungen im Zugverkehr erwartet. Am Sonntag blieben 14, am Montag zehn der insgesamt 16 Metro-Linien geschlossen, warnte die RATP am Samstagabend.An den Flughäfen hingegen sollte sich die Lage nach Angaben der Flugaufsichtsbehörde DGAC beruhigen. Es könne aber noch zu Verspätungen und Beeinträchtigungen im Flugverkehr kommen, teilte die DGAC mit.Im Louvre-Museum blieben einige Räume und im Grand Palais eine gesamte Ausstellung geschlossen. Auch die Pariser Oper sagte wegen des Streiks Vorstellungen ab.

Mehr als 800.000 Demonstranten

In Frankreich gehen seit Donnerstag hunderttausende Menschen gegen die von der Regierung geplante Rentenreform auf die Straße. Am Donnerstag protestierten nach Behördenangaben mehr als 800.000 Demonstranten, die Gewerkschaft CGT zählte 1,5 Millionen Teilnehmer. Zugleich legte ein Generalstreik das öffentliche Leben weitgehend lahm. Die Proteste waren deutlich größer als jene gegen den Reformkurs von Präsident Emmanuel Macron auf dem Höhepunkt der "Gelbwesten"-Krise vor rund einem Jahr.

Neue Streiks am Dienstag

Trotz der Massenproteste will die Regierung an ihrer geplanten Rentenreform festhalten. Die neuen Maßnahmen würden jedoch "schrittweise" und "ohne Härte" eingeführt, sagte Premierminister Edouard Philippe am Freitagabend. Die Regierung werde mit den Gewerkschaften zusammenarbeiten, um ein für alle Branchen geltendes, "gerechteres" Rentensystem einzuführen, sagte er. Dieses werde an die Stelle der bisher geltenden 42 Systeme treten. Für kommenden Dienstag riefen die Gewerkschaften zu neuen Streiks und Massenprotesten auf.

(be/afp)

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