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Frankreich: Freispruch für Bischof von Lyon

9.1.2019 19:43 Uhr

Die Staatsanwaltschaft hat im Fall des einflussreichen Erzbischof von Lyon keine Verurteilung gefordert. Ihm war die Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen zur Last gelegt worden.

"Ein Teil der Tatbestände ist verjährt, und für diejenigen, die nicht verjährt sind, wurden keine Straftaten festgestellt", erklärte die Staatsanwaltschaft nach Angaben des Senders France Info am Mittwoch in Lyon.

Kardinal Philippe Barbarin und fünf weiteren Geistliche wird vorgeworfen, Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester nicht weiter verfolgt zu haben - dieser soll in den 1980er Jahren gegen Dutzende Kinder übergriffig geworden sein.

Bereits 2016 hatte die Staatsanwaltschaft Voruntersuchungen gegen Barbarin eingestellt. Ein Opferverein hatte nun das Verfahren angestrengt, das am Montag begann. "Ich habe nie versucht, diese schrecklichen Taten zu verbergen, geschweige denn sie zu vertuschen", hatte Barbarin zum Prozessauftag gesagt. Die Anwälte der Verteidigung sprachen von einem Schauprozess.

Shooting-Star der französischen Kirche

Während des dreitätigen Verfahrens hatten auch Missbrauchsopfer ausgesagt. Eines der Opfer hatte sich 2014 an den Erzbischof gewandt. In einem Interview hatte Barbarin geäußert, bereits 2007 von den Vorwürfen gewusst zu haben - der beschuldigte Priester habe ihm demnach gesagt, dass seit 1991 nichts mehr vorgefallen sei. Das habe Barbarin überprüft.

Kardinal Barbarin galt Beobachtern zufolge lange als eine Art Shootingstar der katholischen Kirche in Frankreich. Im Sommer 2002 wurde er mit nur 51 Jahren Erzbischof von Lyon und damit höchster katholischer Würdenträger Frankreichs. Das Amt des Primas der katholischen Kirche in Frankreich ist traditionell mit dem Amt des Erzbischofs von Lyon verbunden.

(an/dpa)