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Formtief: Angelique Kerber in Runde eins raus

26.5.2019 15:16 Uhr

Eine verschleppte Grippe, ein verletzter Knöchel - Angelique Kerber reiste nicht mit hohen Erwartungen nach Paris. Und die haben sich jetzt erfüllt, die 31-jährige Kielerin flog gegen eine motivierte und aggressiv spielende 18-jährige Anastassija Potawowa in Runde eins der French Open raus.

"Ich bin froh, dass es vorbei ist. Jetzt freue ich mich auf die Zeit auf Rasen", sagte die 31 Jahre alte Kielerin mit einer Mischung aus Sarkasmus und Traurigkeit. In nur 73 Minuten hatte die Wimbledonsiegerin und Nummer fünf der Tennis-Welt 4:6, 2:6 gegen den russischen Teenager Anastassija Potapowa verloren. Die French Open sind für Kerber vorbei, bevor sie so richtig begonnen haben.

"Desaströse" Sandplatz-Saison

Mit eingefrorenem Lächeln saß die ganz in schwarz gekleidete Kerber schon kurz nach der Mittagszeit im Kellergeschoss des früheren Roland-Garros-Museums, das wegen der umfangreichen Umbauarbeiten in diesem Jahr als Medienzentrum dient. Immer wieder musste sie Fragen zu ihrem lädierten Knöchel beantworten oder zu ihrer "desaströsen" Sandplatz-Saison, wie es eine Reporterin wenig einfühlsam formulierte.

Sie rang ein wenig nach Worten, als sie nach der Zusammenarbeit mit ihrem Trainer Rainer Schüttler befragt wurde, der unter der Woche noch seiner Aufgabe als Turnierdirektor in Genf nachkam und erst am Samstagabend angereist war. "Der Zusammenhalt ist da, auch nach Niederlagen", sagte Kerber und beteuerte: "Da ist nichts am Brodeln."

Keine Ausreden

Es sprach für Kerber, dass sie die Verletzung an ihrem rechten Knöchel nicht als Ausrede oder Entschuldigung gelten lassen wollte. Am 7. Mai hatte sie sich beim Turnier in Madrid vor ihrem Zweitrunden-Match im Training verletzt und für das anschließende Turnier in Rom auch absagen müssen. Mehr als eine Woche habe sie nur auf der Couch gesessen, erzählte Kerber vor dem Turnier.

Zu Beginn des Jahresabschnittes mit den Turnieren auf Sand war sie von einer Grippe geplagt, sagte für den Fed Cup ab und schied auch beim Heimturnier in Stuttgart früh aus. Nur drei Matches auf Asche hatte Kerber vor den French Open bestritten. Auch für sie zu wenig. "Am Ende konnte man deutlich sehen, dass sie eingeschränkt war", sagte die frühere Bundestrainerin Barbara Rittner bei Eurosport.

"In diesem Jahr wird es nichts mehr"

"Ich hatte keine großen Erwartungen. Ich bin froh, dass ich überhaupt hier spielen konnte", sagte Kerber nach ihrem fünften Erstrunden-Aus in Roland Garros. Dass das rote Ziegelmehl ohnehin nicht ihr bevorzugter Spielplatz ist und dass die 18 Jahre alte Potapowa bei ihrem French-Open-Debüt unerschrocken und aggressiv auftrat, war an diesem Tag zum Vergessen nur noch die negative Pointe für Kerber. "Paris und ich, das ist eine Geschichte für sich", sagte sie.

Eine Geschichte jedenfalls, die Kerber Geschichte verwehrt hat. Als erst siebte Spielerin in der Historie des Profi-Tennis und als zweite Deutsche nach Steffi Graf hätte sie den sogenannten Karriere-Grand-Slam feiern können. Nach dem Australian-Open- und US-Open-Titel 2016 und dem Wimbledon-Triumph im vergangenen Jahr sind die Sandplatz-Festspiele am Bois de Boulogne das einzige der vier großen Turniere, das Kerber noch nicht gewonnen hat. "Der Glaube ist natürlich immer noch da", sagte Kerber und konnte schon wieder ein kleines bisschen lächeln. "Nur in diesem Jahr wird es nichts mehr."

(be/dpa)

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