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Flick setzt auf Siegeswillen

10.1.2020 19:47 Uhr

Hoch über den Wolken zog Hansi Flick nach einer schweißtreibenden Trainingswoche in Katar ein positives Fazit. "Für mich war es ein sehr gutes, sehr gelungenes Trainingslager mit sehr intensiven Tagen", sagte der Trainer des FC Bayern auf dem fast sechsstündigen Flug nach Nürnberg und hielt dabei entspannt eine Kaffeetasse in der Hand. "Die Mannschaft hat hervorragend mitgezogen, die Intensität war sehr hoch."

Zum Abschluss des Trainingslagers erlebten Flick und seine Bayern-Stars zuvor noch ein seltenes Schauspiel: Regen in der Wüste. Ein Wolkenbruch ging am Freitagmorgen über Doha nieder, beim letzten Training hingen dunkle Wolken über dem Platz. Beim Abschlussspiel gab es noch eine Schrecksekunde: Kapitän Manuel Neuer stürmte weit aus seinem Tor und kollidierte im Kampf um den Ball mit dem neuen Münchner Edel-Joker Joshua Zirkzee. Der 18 Jahre alte Nachwuchsstürmer blieb mit Schmerzen am Boden liegen, konnte dann aber doch weiterspielen. Der Holländer erzielte sogar noch das Ausgleichstor für das B-Team gegen die etablierte A-Formation.

Flick hat intensiv arbeiten lassen

Als ein Gewinner trat Flick die Rückreise nach Franken an, wo die Bayern am Samstag (15.30 Uhr/Magenta Sport) die Generalprobe für den Bundesliga-Rückrundenstart gegen Hertha BSC bestreiten. Der Trainer schärfte in Katar weiter sein Profil, und das nicht nur mit der forschen Ansage an die Bosse, auf die Verletzungsmisere mit der Verpflichtung von "mindestens zwei Spielern" zu reagieren. "Ich habe meine Meinung ehrlich und fachlich begründet gesagt", erklärte Flick. "Mir geht es immer um die Mannschaft, um den Verein."

Mit dem verfügbaren Personal arbeitete Flick intensiv und akribisch. "Die, die dabei waren, haben das sehr gut gemacht", bilanzierte der Coach. Er führte die hauseigenen Talente um den wieder auffälligen Zirkzee näher ans Profiteam heran, schürte mit etlichen Wettkampfformen den Siegeswillen. Flick will in Bundesliga, DFB-Pokal und in der Champions League angreifen. "Es ist das Ziel, das Maximale herauszuholen", sagte der 54-Jährige. Schon vor dem Frühstück setzte er eine morgendliche Laufeinheit um 7.30 Uhr an - das gab es in Katar zuletzt 2013 im einzigartigen Triple-Jahr unter Jupp Heynckes.

Bei Gnabry lief es nicht so gut

Der große Verlierer war Serge Gnabry. Der Nationalspieler konnte wegen Achillessehnenproblemen nicht einmal mit der Mannschaft trainieren. Es war eine verlorene Woche für den Flügelstürmer, ein "Wermutstropfen", wie Flick feststellte. Anders als für Torjäger Robert Lewandowski, der nach einer Leisten-OP daheim in München seine Reha absolvierte und gegen Hertha fit sein dürfte.

Ein Rätsel bleibt Philippe Coutinho. "Brav" nannte Teamkollege David Alaba einen Gesangsauftritt des Brasilianers beim Teamabend. Brav statt feurig waren auch die Trainingsauftritte des Technikers. "Was Philippe mit dem Ball kann, ist atemberaubend", sagte Alaba zwar. Aber Coutinho agiert im Training emotionslos, ist mehr Statist als Protagonist, wie es ein Anführer wie Kapitän Manuel Neuer ist. "Er ist eher einer, der zurückhaltend ist", sagte Flick verständnisvoll - und ist von dessen Klasse überzeugt. "Er wird den Sprung machen, den wir uns alle erhoffen, da bin ich absolut überzeugt. Er ist ein begnadeter Fußballer."

Müller profitiert von Flick

Eine spektakuläre Drei-Tore-Gala gegen Bremen wird die Münchner Bosse kaum dazu bewegen, im Sommer 120 Millionen Euro für den Leihspieler an den FC Barcelona zu überweisen. Viel Geld werden sie lieber für Nationalspieler Leroy Sané von Manchester City ausgeben wollen, der nach seiner Knieverletzung als Winter-Transfer aber "kein Thema" ist, wie Sportdirektor Hasan Salihamidzic in Doha erklärte.

Coutinho-Konkurrent Thomas Müller war in jeder Einheit präsent. Der 30-Jährige ist hungrig und einer der Profiteure des Trainerwechsels. Er habe sich nach einer schwierigen Periode unter Niko Kovac wieder die "Bestätigung herausgearbeitet", dass er es "schon noch drauf" habe, sagte Müller. Weitere Trainingslager-Gewinner sind der von Flick auch in der Bezeichnung zum "Abwehrchef" beförderte Alaba. Oder der junge Kanadier Alphonso Davies, der sich mit seinem Tempo und enormem Lernwillen als linker Verteidiger etabliert hat. "Im Moment ist er auf dieser Position für uns absolut wichtig", sagte Flick.

Joshua Kimmich soll - wie in der Nationalmannschaft - möglichst fix ins Mittelfeld wechseln. Darum fordert Flick vehement einen rechten Verteidiger. "Mir fällt es einfacher, meine Emotionen aufs Feld zu bringen, wenn ich zu jeder Zeit Teil des Spiels bin", sagte Kimmich. Ein Profiteur des Ausfalls von Kingsley Coman und Gnabry zum Start in die Rückrunde könnte Routinier Ivan Perisic werden. Der Leihspieler beeindruckte im Trainingslager mit einer auffälligen Abschlussquote.

(ce/dpa)

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