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Fiona Hill: Ukraine hat die US-Wahl 2016 nicht beeinflusst

22.11.2019 20:26 Uhr

Die Ukraine und nicht Russland habe sich in die US-Präsidentschaftswahl 2016 eingemischt? Diese Verschwörungstheorie verbreiten zumindest die Republikaner von Donald Trump in den Zeugenanhörungen im US-Repräsentantenhaus bei den Impeachment-Ermittlungen gegen den Präsidenten. Die frühere Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrates, Fiona Hill, hat diese Theorien in ihrer Aussage am Donnerstag vehement zurückgewiesen.

Dies sei "ein fiktionales Narrativ", das von Russland verbreitet werde, sagte Hill bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus zu den Impeachment-Ermittlungen gegen Präsident Donald Trump. Hill appellierte an Mitglieder des Kongresses, "nicht politisch motivierte Lügen" zu verbreiten, die vor allem Moskau in die Hände spielten.

Russischer Einfluss "unbestritten"

Diese Fiktionen seien schädlich, auch wenn sie nur aus rein innenpolitischen Motiven verbreitet würden, sagte Hill. Es sei "unbestritten", dass Moskau systematisch Einfluss auf die US-Wahl 2016 genommen habe, betonte Hill. "Die Auswirkungen dieser erfolgreichen Kampagne Russlands von 2016 sind heute sichtbar", beklagte sie. "Unsere Nation ist gespalten. Die Wahrheit wird angezweifelt." Die Russen hätten sich bereits gerüstet, ihre Einmischung bei der Präsidentschaftswahl 2020 zu wiederholen. "Uns läuft die Zeit davon, sie zu stoppen."

Beleglose Verschwörungstheorie

In konservativen Kreisen und unter Republikanern kursiert seit langem eine Verschwörungstheorie, wonach hinter den ausländischen Einflussversuchen auf die Präsidentschaftswahl 2016 die Ukraine steckte und nicht Russland. Demnach soll in der Ukraine ein Server des Demokratischen Nationalkomitees (DNC) versteckt gewesen sein. Auf diesem soll sich angeblich für die Demokratische Partei belastendes Material befunden haben. Für die Theorie gibt es keine Belege.

Bei den Impeachment-Ermittlungen gegen Trump taucht die Theorie immer wieder auf. Zeugen hatten ausgesagt, der Präsident habe sich bei einem internen Treffen im Oval Office im Mai sehr über die Ukraine beklagt und unter anderem gesagt, Kiew habe versucht, seine Präsidentschaft zu verhindern.

Persönliche Vorteile versprochen?

Auch in jenem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 25. Juli, das im Zentrum der Ukraine-Affäre steht, hatte Trump die Ukraine-Theorie erwähnt und seinen Amtskollegen gebeten, eine Untersuchung dazu anzustoßen. Außerdem ermunterte er Selenskyj in jenem Gespräch zu Ermittlungen, die seinem politischen Rivalen Joe Biden von den Demokraten hätten schaden können.

Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus treiben deswegen Ermittlungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Trump voran. Sie werfen dem Präsidenten vor, sein Amt missbraucht zu haben, um Kiew dafür zu gewinnen, sich zu seinen Gunsten in den US-Wahlkampf einzumischen. Es besteht der Verdacht, dass Trump Militärhilfe an die Ukraine in Höhe von rund 400 Millionen US-Dollar als Druckmittel einsetzte, um die gewünschten Ermittlungen zu erreichen.

Unmutsbekundung oder Druckmittel

Neben Hill sagte auch ein Mitarbeiter der US-Botschaft in Kiew, David Holmes, im Repräsentantenhaus aus. Er erklärte, sein klarer Eindruck sei gewesen, dass Trump die Zurückhaltung der Militärhilfe entweder angeordnet habe, um seinen Unmut darüber auszudrücken, dass Kiew die Untersuchungen noch nicht angestoßen habe - oder als Druckmittel, um die Ukraine dazu zu drängen.

Trumps geschäftsführender Stabschef, Mick Mulvaney, hatte Mitte Oktober bei einem denkwürdigen Auftritt vor der Presse ebenfalls über jene Ukraine-Theorie gesprochen und diese in einen klaren Zusammenhang mit der Zurückhaltung der Militärhilfe an Kiew gebracht. "Hat (Trump) mir gegenüber in der Vergangenheit auch die Korruption im Zusammenhang mit dem DNC-Server erwähnt? Absolut, keine Frage. (...) Und deshalb haben wir das Geld zurückgehalten." Die Demokraten werteten das als bedeutendes Eingeständnis, dass ein parteipolitisches Motiv hinter der Entscheidung steckte, die Militärhilfe vorerst einzufrieren.

Bei den Impeachment-Ermittlungen hatte das Repräsentantenhaus in dieser Woche neun Zeugen angehört. Für besonderes Aufsehen sorgte die Aussage des US-Botschafters bei der EU, Gordon Sondland, am Mittwoch. Sondland erklärte, er habe im Umgang mit der Ukraine auf ausdrückliche Anordnung Trumps mit dessen persönlichem Anwalt Rudy Giuliani zusammengearbeitet. Giuliani habe ein "Quid pro quo" - also eine Gegenleistung - für ein Treffen Selenskyjs mit Trump im Weißen Haus verlangt: nämlich eine öffentliche Ankündigung jener von Trump verlangten Ermittlungen zu Biden und der Wahl 2016.

Amtsenthebungsverfahren noch nicht sicher

Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, sagte am Donnerstag in Washington, es sei noch nicht klar, ob noch weitere Zeugen bei den Impeachment-Ermittlungen angehört würden. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Aussagen zur Vorladung neuer Zeugen führen könnten. Sie habe Trump zudem gesagt, wenn er entlastende Beweise habe, solle er diese vorlegen.

Ebenfalls noch nicht entschieden sei, ob die Demokraten mit ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus tatsächlich ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump eröffnen würden, sagte Pelosi. Über eine Amtsenthebung würde der Senat entscheiden, den Trumps Republikaner kontrollieren. Pelosi sprach erneut von Beweisen dafür, dass Trump sein Amt missbraucht und dadurch die nationale Sicherheit der USA untergraben habe.

(be/dpa)

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