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FIFPRO warnt vor türkischen Fußball-Klubs

26.11.2019 10:38 Uhr

Ein weiterer schwerer Schlag für den Fußball in der Türkei. Die Federation Internationale des Associations de Footballeurs Professionnels, kurz FIFPRO, eine weltweit tätige Vertretung von Profikickern, der 56 nationale Spielervertreterverbände und somit über den Erdball verteilt rund 50.000 Profifußballer angehören, warnt davor, Verträge mit Klubs aus der Süper Lig in der Türkei zu unterzeichnen. Die explizite Warnung wird damit begründet, dass weltweit 15 Prozent aller Klagen wegen Gehaltsnichtzahlungen oder gebrochenen Vereinbarungen zwischen Klub und Spieler ihren Ursprung in der Türkei haben.

Die FIFPRO geht darauf ein, dass man steigende Fallzahlen aus der Türkei beobachten würde, in denen es zu nicht gezahlten Gehältern kam. Ausdrücklich wurde davon gewarnt, sich den Vereinen Kayserispor, Antalyaspor, Bursaspor, MKE Ankaragücü, Kardemir Karabükspor, Elazigspor und Eskisehirspor anzuschließen und dort Verträge zu zeichnen. Gerade die türkischen Klubs seien immer wieder in Verfahren vor der Schlichtungskammer der FIFA involviert. 15 Prozent aller Schlichtunsfälle würden sich um Vereine aus der Türkei drehen – eine extrem hohe Zahl bei insgesamt 211 weltweit vorhandenen Verbänden, die im Profifußball aktiv sind.

Stolperfalle Bonusregelungen mit Spielern

FIFPRO teilte darüber hinaus mit, der Verband würde von einer überproportional hohen Zahl an Spielern hilfesuchend kontaktiert, die bei Vereinen der türkischen Profiligen unter Vertrag stehen. Das zum Teil nicht einmal bei Spielern, die schon lange in Vertragsverhältnissen mit den Klubs stehen, sondern bereits wenige Monate nachdem der Spieler in die Türkei wechselte. Den Spielern, die trotzdem Interesse zeigen würden, bei einem Verein aus den türkischen Ligen anzuheuern, wurde dringend nahegelegt, das Vertragswerk vor der Unterzeichnung von einer Spielergewerkschaft oder einem Anwalt mit der Fachrichtung Sportrecht gründlich gegenprüfen zu lassen.

Auch vor der eigentlich üblichen Vereinbarung, dass der Verein der Spieler Bonusregelungen offeriert, wird gewarnt. In der Türkei sei es, so FIFPRO, üblich, diese Nebenabsprachen nicht vertraglich zu ratifizieren. Dann wird bei Streitigkeiten schnell darauf verwiesen, dass vereinbart wäre, Einsatzprämien oder Boni seien Teil des Spielergehaltes, um so die Schuldenlast zu drücken. Darum weist die FIFPRO ausdrücklich darauf hin, dass jeder vereinbarte Bonus, Tor-, Auflauf-, Titel- und alle anderen Prämien fester Vertragsbestandteil sein müssen, wenn man bei türkischen Vereinen unterschreibt. Zudem solle festgeschrieben sein, dass alle Zahlungen auf den Zahlungsbelegen zu den Gehaltszahlungen ausgewiesen sein müssen. Nur so würde der Anspruch erhalten bleiben, wenn Gelder fehlen.

FIFPRO wartet auf Gespräche mit dem TFF

Der Verband zeigte sich enttäuscht darüber, dass der Fußballverband der Türkei, der TFF, es bisher nicht vermochte, obwohl es eine gleichlautende Aufforderung der UEFA geben soll, dringend notwendige Gespräche über eine Standardisierung von Spielerverträgen anzustoßen, um den Profispielern vertragliche Mindestbedingungen zu garantieren. FIFPRO wies nochmals darauf hin, dass die Spielergewerkschaft in der Türkei, die vom ehemaligen Nationalkicker Hakan Ünsal geleitet wird, der früher bei Galatasaray Istanbul und den Blackburn Rovers spielte, vor acht Monaten den Verband mit einer Gesprächsanfrage kontaktierte, aber bisher keine Antwort erhalten habe.

Die Zahl von 15 Prozent aller Streitfälle weltweit, die von der FIFPRO angegeben wurde, inkludiert offensichtlich nur ausländische Spieler, die von türkischen Vereinen unter Vertrag genommen werden. Einheimische und türkeistämmige Spieler, bei denen es zu derartigen Problemen kommt, können die FIFA nicht als Schlichtsungsstelle anrufen. Würde man diese Fälle dazu nehmen, läge die Zahl sicher höher.

(Hürriyet.de)

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