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Fernando Muslera mit offener Kritik in der Corona-Krise

24.3.2020 19:38 Uhr

Galatasaray Istanbul, türkischer Rekordmeister der Süper Lig, kommt derzeit nicht zur Ruhe. Zuerst wurden am Montag der Vizepräsident Abdurrahim Albayrak und seine Gattin Sükran positiv auf das Coronavirus getestet, dann teilte Trainer Fatih "Imperator" Terim auf dem Kurznachrichtendienst Twitter seine Infektion mit Covid-19 mit. Und nun wurde ein 24-minütiges Interview vom Löwen-Keeper Fernando Muslera – 33-jähriger Kapitän der Nationalelf von Uruguay - publik, das er Sport 890 gab und das in spanischer Sprache online in kompletter Länge angehört werden kann. Darin kritisiert Muslera ganz offen das Krisenmanagement der türkischen Regierung.

In seinem Interview spricht Muslera viele Dinge an, die allerdings wegen einer seiner zahlreichen Aussagen zumindest in der Türkei eher ungehört verhallen werden. In diesem Statement übt Fernando Muslera, der seit 2011 und bis mindestens Sommer 2021 bei Galatasaray unter Vertrag steht, offene Kritik am Krisenmanagement in der Corona-Krise der Türkei und besonders an Präsident Recep Tayyip Erdogan. Muslera hatte schon vor der Aussetzung der Süper Lig kritisiert – gemeinsam mit Radamel Falcao, einem anderen Star von Galatasaray – dass man die Saison wegen des Coronavirus nicht unterbrechen würde.

Vom Liebling zum "Verräter"?

Im Interview, das im spanischen Sprachraum auf großes Interesse stieß und sogar von ESPN übernommen wurde, fand der Löwen-Kapitän deutliche Worte. Er sagte: "Die Türkei ist ein bevölkerungsreiches Land und jeden Tag werden zwischen 300 und 350 neuer Infektionsfälle gemeldet. Der Präsident des Landes hat die Religion über die Krankheit gestellt und möglicherweise gedacht, man könne sich mit Gebeten aus der Situation befreien. Damit wurden die Dinge jedoch nur noch komplizierter."

Und damit hat er, zumindest in Teilen der türkischen Social Media, die Büchse der Pandora geöffnet. Es ergießt sich über den Fanliebling, der in der Türkei auch eine große Rolle in der Werbung spielt und der Anfang März noch 50 Prozent seines Monatsgehaltes für in Syrien getötete türkische Soldaten spendete, ein Hate-Storm, der seinesgleichen sucht. Der Sturm wird in Teilen noch medial unterfüttert und aus dem Helden Muslera, der er nach seiner großzügigen Spende für die Toten und ihre Hinterbliebene vor etwas mehr als zwei Wochen noch war, wurde der "Feind" oder "Verräter" Muslera.

Muslera sorgt sich als Allergiker um seine Familie

In der Corona-Sache sagte Muslera in dem besagten Interview, dass das komplette Team und der Betreuerstamm nun im Fokus der Untersuchungen stehen würde. Alle wären getestet worden und würden nun auf die Ergebnisse warten. Zudem bestätigte er nochmals, dass er gemeinsam mit dem Kolumbianer Radamel Falcao für die Unterbrechung des Spielbetriebes in der Süper Lig war. "Wir mussten das Istanbul-Derby gegen Besiktas Istanbul in Angst und vor leeren Rängen spielen. Danach haben wir uns abgesprochen, um eine Aussetzung des Ligabetriebes zu erreichen und inhaltlich identische Nachrichten abgesetzt. Zum Glück hatte man dann auch ein Einsehen und hat die Liga pausieren lassen", sagte Muslera gegenüber Sport 890.

Auf das eigene Risiko, dass er sich auch mit dem Coronavirus infiziert habe, sagte der Keeper, dass man mit Trainer und Präsidium vor rund 14 Tagen in Kontakt stand. Es würde ihn schon beschäftigen, was denn wäre, hätte er sich infiziert. "Dann, wenn die Angst kommt, dass ich positiv auf Civid-19 getestet werden sollte, schaue ich auf meine Familie und es ist wie ein böser Traum. Wie man weiß, leide ich an einer Allergie. Gerade jetzt haben wir den Übergang der Jahreszeiten. Dann juckt meine Nase und ich muss niesen. Das war vorher kein Problem, aber nun frage ich mich, ob es möglicherweise die Symptome für das Coronavirus sind".

Muslera erklärt sich via Instagram

Über seinen Instagram-Account bezog Fernando Muslera nun weitere Stellung zu dem Thema, nachdem es in den türkischen Social Media massiv hochgekocht wurde. Darin sagt er, dass in dieser schweren Zeit seine Worte fehlinterpretiert würden und wer ihn kenne, der wüsste, dass er sich nicht abfällig zu Religionen äußern würde. Aber es wäre nun einmal eine Zeit der Krise und da würde man als Mensch viele Ängste und Zweifel erleben.

Zudem wies er darauf hin, dass er seit nunmehr neun Jahren in der Türkei leben würde, die er als zweite Heimat ansieht. Zudem würde man jeden Tag die engagierte Arbeit des Präsidenten, der Regierung, des Gesundheitsministers sowie aller Bediensteten im Gesundheitssektor via TV und Social Media verfolgen können. Letztlich sei die Gesundheit jedoch wichtiger als der Sport, der Fußball und alles andere. Zudem fordert er die Menschen auf, daheim zu bleiben und Geduld zu beweisen.

(Hürriyet.de)

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