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Fernando Alonso: Verbitterter Abschied aus der Formel 1

21.11.2018 11:22 Uhr

Einst stieß er Michael Schumacher vom Thron, er galt als Supertalent und auf Jahre hinaus unschlagbar - doch sein großes Versprechen hat Fernando Alonso nie eingelöst. Nun, nach dann 313 Rennen, verlässt der Spanier die Formel 1. Verbittert und als tragische Figur.

"Ich höre auf, weil die Action auf der Strecke meiner Meinung nach richtig schwach ist", sagt Alonso zu seiner Entscheidung vor dem letzten Saisonrennen in Abu Dhabi am Sonntag. Sein Abschied habe überhaupt nichts damit zu tun, dass sein letzter von 32 Rennsiegen nun schon über fünf Jahre zurückliegt, behauptet das Wunderkind von einst, der Weltmeister von 2005 und 2006.

"Ein schlechtes Zeichen"

"In den Jahren 2003, 2004, 2008 und 2011 habe ich nicht viele Rennen gewonnen. Aber es war schwieriger vorauszusagen, was in Spa oder Monza passieren würde", sagt der 37-Jährige, dessen Rückkehr 2014 zu McLaren im Desaster endete: "Jetzt kann man vorher schreiben, was passieren wird." Außerdem könne er nicht verstehen, warum Nichtigkeiten in der Königsklasse mittlerweile so eine große Rolle spielen. "Wir sprechen über Polemik, über Funksprüche", sagt Alonso: "Wenn man das so häufig macht, ist das ein schlechtes Zeichen."

Neulich wurde Alonso gefragt, wer für ihn die fünf größten Rennfahrer der Geschichte sind. Er dachte nach, schließlich hält sich Alonso selber für ziemlich toll, aber er wurde trotz seines Könnens nur zwei Mal Weltmeister. Schließlich sagte er: "Wahrscheinlich Michael, Fangio, Senna, Prost, Lewis." Also Michael Schumacher, Juan Manuel Fangio, Ayrton Senna, Alain Prost und Lewis Hamilton.

Von Hamilton zermürbt

Dass sich Alonso nicht selber nennen konnte oder durfte, hat er sich selber zuzuschreiben - weil der Mann aus Oviedo immer wieder zur falschen Zeit im falschen Auto saß. Schumacher schien unschlagbar - bis der wilde und junge Alonso kam. Mit seinen Titeln 2005 und 2006 setzte er der Ära Schumacher ein Ende. Und weil Schumacher schließlich in Rente ging, waren sich die Experten einig: Dieser Alonso wird der nächste Schumi.

Es kam bekanntlich anders. Nach seinen beiden Titeln zog Alonso 2007 zu McLaren und wurde dort von Hamilton zermürbt. Nach einem Jahr die Flucht zurück zu Renault, doch das Team war nicht mehr dasselbe. Dann nach zwei Jahren: Ferrari. Doch im Gegensatz zu Schumacher schaffte es Alonso nicht, das Chaos in Maranello in den Griff zu kriegen. Von dem Schock, den Titel 2010 im letzten Saisonrennen leichtfertig Sebastian Vettel im Red Bull überlassen zu haben, erholten sich Alonso und die Scuderia nie. Und seit seinem zweiten Versuch mit McLaren folgt eine Demütigung auf die nächste. Tristesse statt Titelrennen.

Mehr erreicht als gedacht

Nun also die Flucht aus der Formel 1, die Alonso so nicht nennen will. Er sei mit sich im Reinen, sagte er, "denn ich habe in 18 Jahren mehr erreicht, als ich mir hätte erträumen können." Neben den zwei WM-Titeln und 32 Rennsiegen stand Alonso 22 Mal auf der Pole und nach 97 Grand Prix auf dem Podium.

In Zukunft will Alonso nach der so genannten "Triple Crown" des Motorsports greifen. Triumphe beim Grand Prix von Monaco, in Le Mans und bei den Indy 500 hat bislang nur der Brite Graham Hill geschafft. Alonso fehlt noch der Sieg in Indianapolis, das soll sich 2019 ändern.

Und wer weiß, vielleicht dreht Alonso ja auch in der bei ihm so unbeliebten Formel 1 noch mal seine Runden. "Ich habe ja keine Kristallkugel, mit der ich in die Zukunft schauen kann", sagt er.

(bl/afp)