DHA

Fenerbahce und Galatasaray trennen sich 1:1

14.4.2019 20:11 Uhr, von Chris Ehrhardt

Unter normalen Umständen ist das Interkontinental-Derby zwischen Fenerbahce Istanbul und Galatasaray Istanbul eines der Highlights der Süper Lig. Doch an diesem 28. Spieltag im Sonntagabend-Match war es ganz besonders. National waren die Augen aus politischen Gründen nach Kadiköy gerichtet, weil der Bürgermeisterkandidat und inoffizieller Bürgermeister der oppositionellen CHP, Ekrem Imamoglu sein Kommen angekündigt hatte. Was er auch tat. Sportlich ging es für die Löwen darum, bei den Kanarienvögeln zu gewinnen, denn damit würde man den Punkteabstand zu Tabellenführer verkürzen können. Die Eulen von Basaksehir hatten am gestrigen Abend von den Schwarzen Adlern von Besiktas die Federn gestutzt bekommen. Würde Cimbom gewinnen, würde der Abstand nur noch drei mickrige Pünktchen betragen. Am Ende war es doch nur ein Punkt, den Galatasaray nach oben aufholen konnte, denn beide Teams trennten sich nach einem herausragenden Istanbul-Derby mit 1:1.

Das Spiel begann wie jedes Derby – eher verhalten und mit viel Abgetaste. Dabei hatten aber die Kanarienvögel ein Übergewicht und brachten mehr an Druck hinter den Ball. Immer wieder tauchten die Gelb-Blauen gefährlich in der Hälfte von Galatasaray auf, ohne jedoch punkten zu können. Fatih Terim hatte seine Elf hinten gut aufgestellt und verdeutlicht, zuerst gehe es einmal darum, kein Osterei ins Nest gelegt zu bekommen. Mit zunehmender Spieldauer wurde Cimbom dann freier und frecher. Man hatte sogar mehr Abschlussversuche. In der 45. Minute wurde es dann sehr hektisch. Konter von Galatasaray. Mit einem langen Ball wurde die komplette Fener-Hintermannschaft düpiert. Diagne spurtete los, verfolgt vom Neuwieder Hasan Ali Kaldirim. Der zupfte dem Senegalesen am Trikot, hakelte in die Beine und Diagne fiel. Taktisches Foul. Nicht schwer, aber doch Foul.


Schiedsrichter Ali Palabiyik zückte den gelben Karton und das war eine krasse Fehlentscheidung. Hasan Ali war letzter Mann und entsprechend konnte das "Urteil" nur Rot lauten. Das sah der VAR wohl ähnlich und schaltete sich ein. Palabiyik sah die Szene am Monitor und zückte dann doch den roten Karton – Platzverwies und Fenerbahce in Unterzahl. Acht Minuten gab es oben drauf, weil Linnes lange behandelt werden musste, nachdem er sich eine Kopfverletzung in der 35. Minute zuzog. Doch auch die liefen ergebnislos ab und mit dem 0:0 ging es in die Kabinen.

Würde Galatasaray die personelle Überzahl nutzen können?

Wer dachte, dass die Hausherren mit einem Mann weniger verstecken würden, der sah sich schnell getäuscht. Fenerbahce drückte und wollte hier weiter mitspielen. Daraus entwickelten sich Chancen für die Löwen, die aber leichtfertig vergeben wurden - in der Regel durch unpräzise Zuspiele. In der 63. Minute kam ein langer Ball für Fener nach vorne. Muslera stieg in der Box hoch, fing den Ball und traf Skrtel auf den Brustkorb. Der ging kurz KO, konnte aber weiterspielen. Nun machten die Löwen mehr Druck und der zahlte sich aus. Feghouli mit dem Zuspiel von der rechten Seite auf den zweiten Pfosten. Da stand dann Henry Onyekuru in der 66. Minute goldrichtig und netzte trocken ein – 0:1.


Doch der Vorsprung hielt nur fünf Minuten. Valbuena tankte sich gut durch, sah in der Mitte in der 71. Minute den mitgelaufenen Eljif Elmas völlig frei und der nagelte die Pille ins Gebälk - 1:1. So darf man das nicht verteidigen. Schon gar nicht in Überzahl. So frei darf niemand in der Box stehen. Alles wieder auf Anfang in Kadiköy. Und je länger dann das Spiel dauerte, desto weniger hatte es einen Sieger verdient. Beide Teams kämpften hervorragend, verlangten sich gegenseitig alles ab. Besonders muss natürlich hervorgehoben werden, wie die Kanarienvögel in Unterzahl alles gaben, sich in jeden Angriff der Löwen warfen. Das hat Respekt verdient.


So kam es, wie es kommen musste: Es blieb einem leistungsgerechten Remis in Kadiköy, das aber jedes der beiden Teams als Sieg verbuchen kann - ein Sieg für den Fußball in der Türkei. Hier war alles geboten, was ein Fußballfan sehen will.

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