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Fenerbahce macht das Unmögliche wahr - Sieg gegen Zenit

12.2.2019 20:47 Uhr, von Chris Ehrhardt

Für Fenerbahce Istanbul, nah der Abstiegsränge in der türkischen Süper Lig, ging es in der Europa League gegen den Führenden der russischen Premier Liga Zenit St. Petersburg nach dem Motto "Auf dem Papier hast du keine Chance, also nutze sie" ins Match. Konnten die Kanarienvögel vom Bosporus sich gegen das Schwergewicht aus Russlands erster Liga behaupten?


Und Fenerbahce drückte von Beginn an auf die Tube. Schon nach knapp 10 Minuten deutete sich die erste kleine Chance an, als Ivanovic im Kasten der Russen eine Isla-Flanke von der rechten Seite haarscharf vor dem knips-bereiten Slimani entschärfen musste. Da musste man sich als Zuschauer schon die Augen reiben, wie frisch sich das Team aus Kadiköy vor eigenem Publikum präsentierte, auch wenn einige Spieler – Soldado, Cigerci und Ekici sowie Neustädter – fehlten. Fener setzte das Team der Russen hervorragend unter Druck und Arbeit zählt sich bekanntlich aus. Das war in der 21. Minute der Fall. Ecke Valbuena und irgendwie landete der Ball vor den Füßen von Slimani. Der dachte nicht lange nach, sondern zischte die Kugel herzhaft volley ins Netz – 1:0 für Fenerbahce.


Fenerbahce war für Zenit nicht ausrechenbar

Und auch in der Folgezeit ließen die Hausherren nicht nach. Isla, Elmas und Slimani hatten zwischen der 22. und 32. Minute mehrfach die Chance, die Anzeigetafel auf 2:0 zu stellen. Die Kanarien waren in der ersten halben Stunde klar die bessere Mannschaft und das hatte man so nicht unbedingt erwarten können. Besonders überraschend war – vergleicht man den Auftritt von Fenerbahce in der EL mit der Spielweise in der Süper Lig – wie variantenreich sich die Kanarien auf dem Platz präsentierten. Mal mit Druck nach vorne, dann wieder leicht das Spiel langsamer machend und den Gegner locken. Das war aller Ehren wert.

Nach rund 40 Minuten konnte man jedoch den Eindruck gewinnen, dass Zenit sich besser auf Fener eingestellt hatte und sich öfter nach vorne bewegte. Das zahlte sich in der 43. Minute aus. Ball in der Box, Topal wollte die Kugel aus dem Strafraum dreschen, traf aber Driussi von hinten in die Beine – Elfmeter. Mak gegen Harun im Tor in der 44. Minuten – und Harun hielt mit einer Weltklasseparade den wirklich gut geschossenen Elfmeter. Damit war er der Held des Abends und so ging es mit einer hauchdünnen Führung für Fenerbahce in die Halbzeitpause.

Würde Fenerbahce die Führung und die Null halten können?

In der 49. Minute versuchte Moses einen Ball von rechts in die Box zu bringen, doch Zenit konnte abwehren. Es sah also so aus, als würde Fener nicht nur die knappe Führung verwalten wollen. In der 50. Minute dann Valbuena auf Hasan Ali, der mit der Flanke und Gefahr durch den Kopfball von Slimani - die Kanarien knüpften da an, wo sie zuletzt aufgehört hatten. So würden die Fans ihr Team sicher gerne auch in der Liga sehen wollen. 55.Minute und wieder ein Teil der Moses-Show auf der rechten Außenbahn - doch Zenit kommt dazwischen und Ecke. Die Kanarienvögel spielten in dieser Phase den Gegner aus St. Petersburg klar an die Wand und dominierte das Spielgeschehen eindrucksvoll. Im Minutentakt gab es Schussmöglichkeiten und Aktionen auf den Kasten von Zenit - nur ohne Tore. Würde sich die mangelhafte Chancenverwertung der ersten Stunden an Spielzeit am Ende möglicherweise rächen?

Ab der 65. Minute marschierte Zenit wieder etwas mehr nach vorne, denn das Fener-Spiel hatte sicher reichlich Kraft gekostet. Und wenn die Russen drückten, war hinten bei den Kanarien Alarmstimmung angesagt. Doch es blieb bei der dünnen Führung mit einem Treffer. Das lag nicht zuletzt auch daran, dass die Bude in Kadiköy brechend voll war und die Fener-Fans ihr Team lautstark nach vorne peitschten. Und Zenit rannte mehr und mehr die Zeit davon. Ganz offen machen konnten die Russen aber auch nicht, denn bei Kontern war Fenerbahce stets brandgefährlich.

Nach 75 Minuten war es Zeit für etwas Statistik. 60 Prozent Ballbesitz für Fenerbahce, 80 Prozent Passgenauigkeit, 53 Prozent Zweikampfgewinne, 7 zu 4 Ecken und 12 zu 5 Torschüsse für das Heimteam. Hier gab es also nicht nur eine leicht optische Überlegenheit der Kanarien. Aber Zenit kam wieder, denn bei den Kanarien wurden durch die langen Wege wohl die Flügel langsam schwerer. Würde Fener die knappe Führung die letzten fünf Minuten bis zum Abpfiff halten können? Ja, auch in drei Minuten Nachspielzeit gelang Zenit nicht mehr der Ausgleich und Fenerbahce hat sich eine sehr gute Ausgangsposition für das Rückspiel in St. Petersburg erarbeitet.