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Fenerbahce gegen Galatasaray - Können die Löwen den Kanarienvögeln die Flügel stutzen?

23.2.2020 12:24 Uhr, von Chris Ehrhardt

Am 23. Spieltag der türkischen Süper Lig kommt es am Sonntagabend im Stadteil Kadiköy von Istanbul zum lang erwarteten Stadt- und Interkontinental-Derby: Fenerbahce Istanbul gegen Galatasaray Istanbul. Der Tabellensechste empfängt den Tabellenvierten. Asien gegen Europa. Und nur der Sieger wird sich weiter im oberen Tabellensegment festsetzen. Kommen wir zur Vorschau dieses traditionellen Matches in der Türkei: Wer macht das Rennen? Kanarienvögel oder die Löwen? Diesmal ist ein eine Vorhersage beim Preview des Spiels Galatasaray gegen Fenerbahce richtig, richtig schwer.

An der Spitze der türkischen Süper Lig sieht es recht dicht gedrängt aus. Freitag übernahm Sivasspor die Führung und wurde am Samstag von Trabzonspor abgelöst. Das kann am Montag, wenn Basaksehir spielt und in Rize siegen sollte, wieder anders ausschauen. Da möchten Fenerbahce und Galatasaray als Titelverteidiger und Rekordmeister weiterhin mitmischen. Doch nur der Sieger im interkontinentalen Derby in der Türkei wird den direkten Anschluss halten. Beste Grundvoraussetzungen für eine hochklassige Partie?

Fenerbahce muss Ausfälle hinnehmen

Anstoß ist am heuten Karnevalssonntag um 17 Uhr MEZ – in der Türkei ist es dann schon 19 Uhr. Gespielt wird im Hinterhof der Kanarienvögel – in Kadiköy im Sükrü Saracoglu Stadion. Und da geht es für Fenerbahce wahrlich um die Wurst, denn in letzter Zeit hat der Klub eine echte Durststrecke, glänzt mehr mit Geplänkel abseits des Platzes, wenn Präsident Ali Koc per Video bemängelt, sein Verein würde benachteiligt und dem Klub würden Punkte gestohlen. Ist das so oder ist es eher so, dass die Schiedsrichter in der Türkei durch die Bank für alle Vereine "eher gewöhnungsbedürftig" sind? Fenerbahce fehlt einfach die Konstanz, der Lauf. Man schafft es nicht, eine Serie hinzulegen, sondern steckt sich Niederlagen bei Gegnern ab, die mit der Klassemannschaft einfach schlagen muss. Nicht kann, nicht soll, muss – zumindest dann, wenn man oben mitspielen will. Ob da das Kitalar Arasi Derbi die Partie ist, aus der man Selbstvertrauen schöpft, wenn man es vorher gegen Ankaragücü peinlich verbeutelt hat?

Doch nicht nur das fehlende Selbstvertrauen und die fehlende Konstanz könnte sich zum Stolperstein für die Hausherren auswachsen. Es fehlen auch Schlüsselspieler im Match gegen den Erzrivalen von der europäischen Seite Istanbuls. Da wäre zuerst einmal der ehemalige Kicker des FC Bayern München Luiz Gustavo. Den Ausfall wird Trainer Ersun Yanal alles, nur sicherlich nicht covern können. Garry Rodrigues wird ebenso nicht antreten können, was den Kader selbstverständlich schwächt. Der Ausfall von Emre Belözoglu mag ebenso schmerzen, er ist jedoch eher moralischer Natur. Das alles wird man in Kadiköy versuchen mit dem Heimvorteil zu kompensieren, denn die Heimbilanz ist mit einer Durchschnittspunktzahl von 2,3 nicht übel. Es wird viel darauf ankommen, wie Max Kruse und Vedat Muriqi vorne wirbeln und ob sie gegen Fernando Muslera im Kasten der Löwen eine Chance haben.

Findet Terim die richtige Mischung bei Galatasaray?

Doch wie schaut es beim Rekordmeister aus? Was sagt die Situation von Galatasaray? Die Löwen rangieren als Titelverteidiger in der Tabelle vor den Kanarien. Galatasaray hat in der Liga zuletzt einen Lauf gehabt – aber da muss man sehen, dass die Gegner eher "handverlesen" waren. Mit Ausnahme von Alanyaspor musste sich das Team von Coach Fatih Terim vornehmlich mit den Kellerkindern sowie dem Mittelfeld der Süper Lig befassen. Nicht wirklich glücklich wird Trainer Terim sein, dass ihm für das Match einer seiner Schlüsselspieler – der Gabuner Mario Lemina – ausfällt. Ob und wie er den Ausfall kompensieren wird, muss abgewartet werden.

Für Galatasaray geht es in der Partie auch um weit mehr als nur das Derby. Auf dem europäischen Parkett hat man grandios versagt. Zwei Punkte in der Champions League, Tabellenletzter – und raus bist du. Im Pokal hat man es gegen Alanyaspor grandios vergurkt und das muss sich der Trainer auf die Fahne schreiben, der das Hinspiel einfach abgeschenkt hat. Im Viertelfinale machst du keinen Aufstellungs-Firlefanz mehr und schickst darum keine gepimpte B-Mannschaft aufs Feld. Das heißt, den Titel, den man in der letzten Saison holte, wird der Rekordmeister schon einmal nicht mehr verteidigen können. Ergo muss theoretisch der Meistertitel her und um das zu erreichen, musst du die Festung Kadiköy nehmen. Da werden aber die Kanarienvögel so nicht mitspielen wollen.

20 Jahre ohne Sieg in Kadiköy

Hat man beim Derby eine Garantie auf den Knalleffekt? Nein. Es wird in der Regel gefightet, geackert und es gibt auch reichlich Nickeligkeiten. Aber fußballerisch sind die Derbys in der Süper Lig nicht immer die Leckerbissen. Das sieht man schon allein daran, dass von den letzten fünf Interkontinental-Derby drei mit einem 0:0 endeten. Schauen wir auf die letzten zehn Partien, gab es dabei sieben Remis und davon wurden vier Partien mit einem 0:0 abgepfiffen. Nun gibt es sicher auch torlose Unentschieden, die spannend anzuschauen sind. Ob das aber für die Partie greift, in der eher die limitierten fußballerischen Fähigkeiten überwiegen?

Fun Fact: In den 2000er Jahren musste Galatasaray zu 23 Pflichtpartien von Europa nach Asien zu Fenerbahce reisen. Einen Sieg nach Europa konnten sie nie mitnehmen. In 16 Spielen blieben die Kanarienvögel siegreich und in sieben Begegnungen, die in Kadiköy ausgetragen wurden, konnten die Löwen einen Punkt gen Europa schleifen. Das heißt: Kadiköy ist in diesem Jahrtausend eine echte Festung im Interkontinental-Derby, die Galatasaray noch nicht stürmen konnte. Aufgrund der Personalsituation und des fehlenden Laufs bei Fenerbahce könnte es diesmal aber klappen. Es gab sicher schon schlechtere Voraussetzungen für einen Auswärtssieg bei den Kanarien. Aber am Ende wird es sehr wahrscheinlich doch wieder das Remis – so jedenfalls schreibt es das Protokoll und die Geschichte im Kitalar Arasi Derbi fast vor.

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