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20-jährige Ceren Özdemir von flüchtigem Häftling niedergestochen

5.12.2019 11:44 Uhr

Die Mörder von Sule Cet wurden erst gestern verurteilt, da erschüttert ein weiterer Femizid die Türkei. Die 20-jährige Ballerina Ceren Özdemir wurde am Dienstag vor ihrem Haus in Ordu erstochen. Der vermutliche Täter: Ein wegen Mordes verurteilter Mann, der nicht von seinem Haft-Freigang zurückkehrte.

Ceren Özdemir, eine 20-jährige Stundentin an der Universität von Ordu, war auf dem Heimweg von einer Ballet-Stunde, als sie vor ihrem Haus von Özgür A. niedergestochen wurde. Özdemir habe geklingelt und ihre Schwester habe ihr aus dem Fenster den Schlüssel runtergeworfen. Als sie nach einigen Minuten immer noch nicht in der Wohnung ankam, sei die Schwester nach unten gegangen und habe Ceren Özdemir in einer Blutlache liegen sehen.

"Als ich aus dem Fenster sah, um ihr die Schlüssel zuzuwerfen, sah ich einen schwarzgekleideten Mann in seinen Vierzigern vor dem Haus stehen," berichtete die Schwester der Polizei.

Falscher Verdächtiger

Die Polizei konnte den Mann ausfindig machen. Es handelt sich dabei um einen Lieferservice-Mitarbeiter, der den Geschwistern Essen brachte. Dieser solle Ceren Özdemir vor einer Weile um eine Verabredung gebeten haben, die diese allerdings ablehnte. Danach soll er sie einige Male belästigt haben. Nach der Befragung durch die Polizei wurde der Mann allerdings freigelassen, und Özgür A. in einem verlassenen Haus festgenommen.

Polizist mit Messer attackiert

Bei der Festnahme wehrte sich Özgür A. heftig und griff die Polizisten mit dem Messer – vermutlich auch die Mordwaffe – an. Ein Polizist wurde durch den Messerangriff schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Täter gesteht

Am Mittwoch gestand Özgür A. den Mord an Ceren Özdemir.

Der Verdächtige saß seit 2005 wegen Mordes an einem Kind im Gefängnis, wie die Demirören Nachrichtenagentur DHA berichtet. 2018 wurde er in einen offenen Vollzug in Rize verlegt, von wo er nach kurzer Zeit floh. Nachdem die Sicherheitskräfte ihn wieder festnehmen konnten, wurde er erneut in ein geschlossenes Gefängnis in der Provinz Ordu transferiert. Weil er "gutes Verhalten" gezeigt habe, durfte er am 28. Oktober erneut in den offenen Vollzug, von wo er am 1. Dezember erneut floh.

Am 3. Dezember ermordete er Ceren Özdemir.

390 Frauenmorde in 2019

Wie die türkische Frauenrechts-Plattform "Wir werden Femizide beenden" mitteilte, wurden in 2019 390 Frauen in der Türkei durch Männer ermordet – 39 davon alleine im November.

(Berna Ehrhardt)

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