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Favres Stuhl beim BVB wackelt

23.11.2019 9:05 Uhr

Nach dem 0:4 gegen die Bayern hätte es für Borussia Dortmund am Freitagabend gegen Paderborn eines deutlichen Sieges bedurft - doch nach einer katastrophalen ersten Hälfte konnte man gerade noch ein Remis mit 3:3 retten. Das sorgt für Sorgenfalten bei der Vereinsspitze.

Michael Zorc war kurz angebunden. Im ersten Frust über die erneut desolate Vorstellung der Dortmunder Mannschaft beim 3:3 gegen den SC Paderborn verweigerte der BVB-Sportdirektor eine deutliche Stellungnahme.

Selbst die erfolgreiche Aufholjagd des Teams, das sich nach einem 0:3-Rückstand zur Pause noch ein Remis erkämpfte, konnte seine Laune nicht aufhellen. "Ich werde nicht so viel sagen. Außer, dass die erste Halbzeit komplett indiskutabel war und dass man sich bei den Zuschauern dafür entschuldigen muss", kritisierte Zorc. Beiläufig fügte er an: "Morgen ist auch noch ein Tag."

Jahreshauptversammlung am Sonntag

Vor allem der letzte Satz seines kurzen Statements bot viel Raum für Spekulationen. Nicht auszuschließen, dass sich die Vereinsspitze noch vor der Jahreshauptversammlung des Revierclubs am Sonntag ausführlicher äußert - zum Beispiel über die Zukunft von Trainer Lucien Favre. Denn der Versuch der Mannschaft, sich für die Schmach im Ligagipfel zwei Wochen zuvor beim FC Bayern (0:4) zu rehabilitieren, schlug mächtig fehl. Das dürfte die Zweifel an der Arbeit des Fußball-Lehrers noch entschieden verstärken. Allerdings steht schon am Mittwoch das nächste Spiel in der Champions League beim FC Barcelona an.

"Das hat nichts mit der Trainerposition zu tun"

Abwehrchef Mats Hummels wollte sich an der Diskussion über Favre nicht beteiligen: "Ich würde mal ganz deutlich sagen, dass das nichts mit der Trainerposition zu tun hat, wenn wir einfach ohne Druck die Bälle herschenken." Ähnlich sah es Kapitän Marco Reus. "Der Trainer stellt uns super ein. Wir Spieler sind dafür verantwortlich, unsere Leistung zu zeigen."

Fraglich, ob diese Fürsprache zum Verbleib von Favre beiträgt. Der 62 Jahre alte Schweizer wirkte ähnlich niedergeschlagen wie Zorc. "Wir werden das zusammen analysieren, das ist sehr, sehr nötig. Das kann nicht so weitergehen", bekannte der Coach. Bei allem Frust wirkte er jedoch nicht so, als habe er den Glaube an einen Verbleib beim BVB schon aufgegeben: "Ich versuche weiter, positiv zu denken." Auf die Frage, ob er sich von seinem Team im Stich gelassen gefühlt habe, antwortete er: "Nein, nein, ich stehe immer hinter meiner Mannschaft."

Pfiffe nach dem Schlusspfiff

Das Votum der Zuschauer dürfte seine Position kaum stärken. Ungeachtet des späten Ausgleichs durch Reus (90.+2) wurde das Team nach dem Schlusspfiff mächtig ausgepfiffen, erstmals gab es "Trainer raus"-Rufe im Stadion. Kapitän Reus fand bei DAZN deutliche Worte: "Man hat sich richtig geschämt. So dürfen wir nie, nie wieder auftreten. Das war absolute Scheiße."

(be/dpa)

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