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Faszination Geisterstadt - Wo nur der Wind wohnt

14.6.2020 14:21 Uhr

Stille Straßen, verlassene Gebäude – Geisterstädte bringen zum einen die Fantasie auf Touren, zum anderen geben sie einen Einblick in das Leben, das in ihnen einst stattgefunden hat. Wir stellen Ihnen einige berühmte Geisterstädte vor.

Craco, Italien

In Süditalien, nahe der Stadt Matera, liegt die etwa 1.300 Jahre alte Geisterstadt Craco auf einem Berg. Ihre einstigen Bewohner gaben sie zwischen 1963 und 1975 wegen zahlreicher, zerstörerischer Erdrutsche auf. Cracos märchenhafter Charme zieht viele Menschen an. Mit einem Guide und gegen eine Mindestspende von 10 Euro darf die Geisterstadt besucht werden. Auch Hollywood war schon dort, z. B. für den Bond-Film "Ein Quantum Trost" und für Mel Gibsons "Die Passion Christi".

Geisterstadt Craco (Quelle: imago images/ imagebroker)

Pyramiden, Norwegen

Seit 1927 befand sich die Kohlebergbaustadt Pyramiden auf der arktischen Insel Spitzbergen in sowjet-russischem Besitz. 1998, nachdem die Miene erschöpft war, wurde die Stadt aufgegeben. Neben den Unterkünften für die Arbeiter, einem Sportzentrum, einem Theater und einer Konzerthalle gibt es eine Leninbüste sowie eine Bibliothek voller Bücher zu sehen. Die einzigen Lebewesen, die dem Besucher hier begegnen, sind Eisbären.

Oradour-sur-Glane

Das in Zentralfrankreich gelegene Dorf Oradour-sur-Glane ist vielmehr ein Mahnmal als ein "Lost Place". Seine schreckliche Geschichte ist nahezu jedem Franzosen bekannt. In Deutschland weiß man kaum davon. Im Juni 1944 marschierten deutsche Soldaten ein und ermordeten alle Bewohner, offenbar als Racheakt für den Widerstand der ihnen entgegengebracht worden war. Die französische Regierung beschloss, das zerstörte Dorf als Mahnmal stehen zu lassen.

Insel Hashima, Japan

Die Insel Hashima gehört zur Stadt Nagasaki. Einst war sie die weltweit am dichtesten besiedelte Region. Tausende Menschen lebten auf der nur 160 mal 480 Meter großen Insel. Es waren Kumpel, die Kohle in unter dem Meeresspiegel liegenden Stollen abbauten. Als die japanische Regierung 1974 den Braunkohle-Abbau stoppte, verließen die Kumpel Hashima. Die Insel wurde zum Sperrgebiet erklärt und träumte verlassen vor sich hin, bis sie für den Bond-Film "Skyfall" wiederentdeckt wurde.

Geisterinsel Hashima (Quelle: imago images/ Kyodo News)

Bodie, USA

Nach ersten Goldfunden entstand Bodie im Jahr 1859 als Minen-Camp. Innerhalb kurzer Zeit wuchs das Camp zu einer der größten Städte Kaliforniens an, weil sich Tausende, dem Goldrausch verfallene Menschen dort niederließen. Neben Hotels, Restaurants und mehreren Redaktionen entstanden über sechzig Saloons. Ab 1880 zogen die Einwohner nach und nach jedoch in andere, vielversprechendere Goldgräberstädte. Etwa 100 der einst mehr als 2.000 Gebäude existieren heute noch.

Kayaköy, Türkei

Die heutige türkische Geisterstadt Kayaköy hieß einst Livissi. 20.000 Menschen, hauptsächlich griechisch-orthodoxe Christen, lebten in der 5.000 Jahre alten Stadt. Mit ihren wenigen muslimischen Nachbarn verstanden sie sich, halfen sich gegenseitig, teilten Ernten, feierten zusammen. Mit dem Bürgerkrieg änderte sich das. Im Zuge der Landumverteilung wurden die Einheimischen schließlich zwangsumgesiedelt. Ihre Häuser wurden zerstört.

Geisterstadt Kayaköy (Quelle: Hürriyet)
(jk)

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