Symbolbild: imago images / Ralph Peters

Familie aus Sontra Anfang Dezember in die Türkei abgeschoben

20.12.2020 18:33 Uhr

Am 4. Dezember wurde die siebenköpfige Familie A. aus Sontra im Werra-Meißner-Kreis in Nordhessen nach Istanbul in die Türkei abgeschoben. Mahmut A. war vor mehr als 30 Jahren nach Deutschland geflüchtet und hatte einen Asylantrag gestellt, wie die "Werra-Rundschau" berichtete. Seine fünf Kinder, so die Zeitung, wurden alle in Deutschland geboren und sind ebenso abgeschoben worden. Nun werden Vorwürfe hinsichtlich des polizeilichen Vorgehens erhoben, zudem sei die Duldung noch nicht abgelaufen, so Familie A. gegenüber der Presse. Die Behörden sehen es anders und sagen, Familie A. sei seit geraumer Zeit ausreisepflichtig gewesen, habe sich aber der freiwilligen Ausreise entzogen und so selbstverschuldet den Polizeieinsatz vom 3. Dezember auf den 4. Dezember angeschoben. Der Polizei wird "brutales Vorgehen" vorgeworfen.

Während Familie A. argumentierte, man könne die Abschiebung – nicht zuletzt auch wegen der in Deutschland geborenen fünf Kinder – nicht nachvollziehen, haben die Behörden diesbezüglich eine klare Haltung. Der kompletten Familie sei, so das Regierungspräsidium von Hessen in Kassel, ihre Ausreisepflicht seit "langer Zeit bekannt gewesen". Man habe selbstverschuldet die Frist zur freiwilligen Ausreise verstreichen lassen. Das würde dann Zwangsmaßnahmen anstoßen, so sei es gesetzlich geregelt. Auch habe man die Familie diesbezüglich nicht in Unkenntnis gelassen, wie den Behörden durch die Familie A. vorgeworfen wurde.

Familie A. will nach Deutschland zurückkehren

Familienvater Mahmut A. hingegen sagte der Presse, die Duldung für die komplette Familie sei nicht abgelaufen gewesen und man habe über eine bevorstehende Abschiebung unter Zwang keine Informationen erhalten. Darum sei man von der Polizeimaßnahme, bei welcher die Türen aufgebrochen wurden, "vollkommen überrascht und aus dem Schlaf gerissen worden". Seitens der Familie wird das Vorgehen der Polizei als "brutal" beschrieben und man habe sich "wie Terroristen behandelt" gefühlt. Das sei dadurch unterstrichen worden, dass man Teilen der Familie Hand- und Fußfesseln angelegt habe, als man am Flughafen in Frankfurt gewesen sei. Die Fesselungsmaßnahmen wurden von den Behörden als "Maßnahmen zum Eigenschutz" motiviert, da sich Teile der Familie A. in einer "emotional sehr aufgewühlten und wütenden Verfassung" befunden hätten.

Aktuell befindet sich Familie A. bei Verwandten in Istanbul und lebt dort nach eigenen Angaben mit insgesamt neun Personen in einer Wohnung mit zwei Zimmern. Gerade die Kinder der Familie scheinen sich nur schwer zurecht zu finden, da sie nach Eigenangaben der türkischen Sprache nicht mächtig seien. Zwei der Kinder besuchten in Sontra das örtliche Gymnasium und stehen in der Türkei vor einem Neuanfang. Vater Mahmut A. hat weitergehende Befürchtungen, denn wie er der Presse mitteilte, sei er in der Türkei als Kriegsdienstverweigerer gelistet. Angehörige der Familie A., die in Deutschland leben, haben nun einen Anwalt mit der Wahrnehmung der Interessen der Familie beauftragt und Petitionen gestartet. Ziel sei es, die Familie, die nur den türkischen Pass hält, wieder nach Deutschland zu holen.

(ce)

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