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Falsche Gerüchte zu einer Netflix-Serie sorgten für Boykott-Aufrufe

16.4.2020 20:53 Uhr

Gerüchte über einen schwulen Charakter in der neuen türkischen Netflix-Serie "Love 101", die sich wohl als völlig aus der Luft gegriffen herausgestellt haben, sorgten für Aufrufe zum Boykott und stießen auf Kritik der TV- und Rundfunkaufsichtsbehörde in der Türkei. Die Kritik brach aus, nachdem ein inzwischen gelöschter Twitter-Account "@love101netflix" darauf hinwies, dass eine der Hauptfiguren in der Serie - eine Geschichte über Schüler, die ihrem Lehrer helfen wollen, seine große Liebe zu finden – schwul sein könnte. Die Serien-Ausstrahlung soll am 24. April beginnen – dem Tag, an dem auch der islamische Fastenmonat Ramadan beginnt.

"Wir werden keine Sendungen tolerieren, die den nationalen und spirituellen Werten unserer Gesellschaft zuwiderlaufen", wurde Ebubekir Sahin, Präsident des Obersten Rates für Radio und Fernsehen, diese Woche von einer türkischen Zeitung zitiert. Netflix Türkei reagierte nicht sofort auf Anfragen, um zu bestätigen, ob besagter Twitter-Account real oder ein gefälschter Account war. Auch zu den Gerüchten, ob die Show einen schwulen Charakter enthielt, gab es vorerst keine Angaben. "Viele falsche Informationen verbreiten sich aus gefälschten Berichten ... glauben Sie nur dem, was Sie von uns über die Serie und die Charaktere hören, nicht den Gerüchten", sagte Netflix Türkei in einer früheren Erklärung. Obwohl Homosexualität kein Verbrechen ist, ist Ablehnung immer noch in der türkischen Gesellschaft weit verbreitet. Zahlreiche LGBT+-Veranstaltungen, öffentliche Versammlungen und Pride-Märsche waren zuletzt untersagt worden.

Niemand weiß, ob ein Serien-Charakter schwul sein wird

Die türkische Regierung weist darauf hin, dass sie seit der Übernahme der Regierungsgeschäfte die Rechte und Freiheiten von LGBT+-Personen nachhaltig verstärkt habe. Doch in den Social Media wurde schnell nach Bekanntwerden der Gerüchte ein Hashtag #NetflixBeAMan verbreitet, unter dem das Auftreten von LGBT+-Symbolik in türkischen Shows verurteilt wurde. Einige nannten die Implementierung eines homosexuellen Charakters gar eine Beleidigung des Islam. "Netflix versucht, die Unmoral unter dem Namen 'Love 101' zu normalisieren", sagte ein User in einem Beitrag auf Twitter, der etwa 13.000 Likes erhielt.

Netflix wurde in Tweets sogar als "Feind des Islam" bezeichnet und man forderte ein Verbot in der Türkei, während andere User sagten, das Ausstrahlungsdatum provoziere absichtlich Muslime während des heiligen Monats Ramadan. Die breite Masse jedoch sprach sich für "Love 101" aus und Twitter-Nutzer lehnten das Instrumentalisieren von "Religion zur Legitimation ihres Hasses auf Homosexuelle" kategorisch ab.

(mb/Reuters)

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