dpa

Falsche Ärztin zeigte sich selbst an

4.11.2019 22:17 Uhr

Eine falsche Ärztin aus Nordhessen, die mit vier Todesfälle in Verbindung gebracht wird, hat laut Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen sich selbst in Rollen gebracht. Die Frau habe Selbstanzeige wegen Anstellungsbetrugs gestellt, sagte Behördensprecher Götz Wied am Montag in Kassel. Ob die 48-Jährige einer Entdeckung und weiteren Anzeigen zuvor kommen wollte, blieb unklar. Zu den Motiven für die Anzeige äußere man sich nicht. Die Frau sitzt in Untersuchungshaft.

Anstellungsbetrug bedeutet, dass man für den Abschluss eines Arbeitsvertrags falsche Angaben macht. Die Frau soll sich mit gefälschter Arzt-Zulassung beworben haben. Dabei täuschte sie auch die Landesärztekammer Hessen. Die Verdächtige hatte vor einigen Jahren bei der Anmeldung als neues Kammermitglied eine angebliche Zulassung vorgelegt. «Uns ist nicht aufgefallen, dass die Unterlagen gefälscht sind», sagte eine Sprecherin der Kammer dem Sender Hit Radio FFH.

Gefälschte Urkunden und Zeugnisse sind immer schwieriger zu erkennen

Mit Hilfe digitaler Anwendungen könnten Zeugnisse immer häufiger so gut gefälscht werden, dass sie von Originalen nicht oder so gut wie nicht unterscheidbar seien, sagte die Sprecherin der dpa. Das sei auch im Fall der Ärztin so gewesen. Der Ärztekammer zufolge war im Oktober 2018 aufgefallen, dass die angeblich in Rheinland-Pfalz ausgestellte Zulassungsurkunde nicht echt sein konnte. «Eine Annahme, die sich nach Prüfung durch die Approbationsbehörde in Rheinland-Pfalz als zutreffend erwies.» Am 19. November 2018 habe die Landesärztekammer Hessen Strafanzeige gestellt.

Die 48-Jährige hatte von 2015 bis 2018 in der Klinik Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar als Assistenzärztin gearbeitet. Sie soll ohne entsprechende Ausbildung Patienten betäubt haben. Vier starben, in acht weiteren Fällen sollen Gesundheitsschäden eingetreten sein. Ob es weitere Opfer gibt, prüfen die Behörden. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln unter anderem wegen des Verdachts des Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung, Betrugs und des Missbrauchs von Titeln.

(gi/dpa)

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