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Facebook wurde schon 2014 auf verdächtige russische Aktivitäten hingewiesen

27.11.2018 20:48 Uhr

Das Online-Netzwerk Facebook hat schon 2014 und damit deutlich früher als bislang bekannt Hinweise auf mögliche Manipulationsversuche Russlands erhalten.

Die Techniker hätte damals aber "keine Beweise für spezifische russische Aktivitäten" gefunden, erklärte der US-Internetkonzern am Dienstag auf AFP-Anfrage. In einem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments zu Falschnachrichten und Fehlinformationen war der Facebook-Lobbyist Richard Allan zuvor mit entsprechenden Informationen aus internen E-Mails konfrontiert worden. Der Ausschussvorsitzende Damian Collins zitierte bei der Anhörung aus internen Facebook-E-Mails, die das Parlament von der US-Software-Firma Six4Three beschlagnahmt hatte. In einer der E-Mails hieß es demnach, ein Facebook-Techniker habe dem Unternehmen im Oktober 2014 mitgeteilt, dass von einer russischen IP-Adresse "drei Milliarden Datenpunkte pro Tag" angezapft würden. Die Frage sei, ob diese Information weitergegeben wurde - oder ob sie unter Verschluss gehalten wurde, "wie es so oft zu sein scheint", sagte Collins. Allan antwortete, die vorliegenden Informationen seien "bestenfalls parteiisch und schlimmstenfalls irreführend".

Die E-Mails seien "unverifizierte parteiische Darstellungen". Auch in der später nachgereichten Erklärung wies Facebook den Vorwurf zurück, Hinweise auf verdächtige russische Aktivitäten im Jahr 2014 - also lange vor Bekanntwerden der mutmaßlichen Einmischung Russlands in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 - verschwiegen zu haben. Unklar blieb aber, ob der Verdacht damals komplett ausgeräumt wurde oder ob sich eine Verwicklung Russlands nicht nachweisen ließ.

Hat Facebook die Öffentlichkeit getäuscht?

Die US-Zeitung "New York Times" hatte vergangene Woche Ergebnisse einer investigativen Recherche veröffentlicht, wonach Facebook die Öffentlichkeit über seine Erkenntnisse über die Einmischung Russlands in den US-Präsidentschaftswahlkampf täuschte. Das Unternehmen habe eine PR-Firma engagiert, um Falschinformationen über Firmen aus dem Silicon Valley zu verbreiten und so von seinen eigenen Fehlern abzulenken. Allan ist bei Facebook Vizepräsident für politische Fragen. Er vertrat bei der Anhörung Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der ein persönliches Erscheinen trotz wiederholter Anfragen abgelehnt hatte. An der Anhörung nahmen Parlamentarier aus insgesamt neun Ländern teil. Die französische Senatorin Catherine Morin-Desailly sagte, Facebooks Umgang mit Datenschutz sei "skandalös".

Facebook wurde in diesem Jahr von einer Reihe von Krisen beherrscht. So war im Frühjahr ans Licht gekommen, dass die Daten von rund 87 Millionen Nutzern des Netzwerks bei der britischen Firma Cambridge Analytica gelandet und von ihr unerlaubt für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump benutzt worden waren. Der Ruf des Konzerns litt auch infolge des Missbrauchs seiner Plattform durch mutmaßlich russische Akteure, die den US-Wahlkampf 2016 zugunsten des jetzigen Präsidenten Donald Trump beeinflusst hatten.

(be/afp)