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Experten: Mehr digitale Gewalt gegen Frauen in der Türkei

29.7.2020 20:36 Uhr

Frauen weltweit und in der Türkei werden nicht nur mit häuslicher und sexueller, sondern auch mit „digitaler“ Gewalt konfrontiert - beispielsweise über die sozialen Medien. Vor allem seien bei dieser Art und Form des Missbrauchs Frauen zwischen 18 und 24 Jahren betroffen, so die Angaben einer Expertin für Informationstechnologie-Recht.

"Die Rate der Frauen, die digitaler Gewalt ausgesetzt sind, ist nach den neuesten Studien 27-mal höher als die der Männer", sagte Sebnem Ahi, Vorsitzende der IT-Rechtskommission der Anwaltskammer Istanbul.

Während der Corona-Pandemie seien die Fälle von bildbasierten Missbräuchen oder sogenannten „Rachepornos“ extrem gestiegen.

Obwohl es derzeit keine Einigung über die Definition von bildbasiertem Missbrauch im türkischen Recht oder im Social-Media-Jargon gibt, tritt dies auf, wenn jemand ein intimes Bild oder Video ohne die Zustimmung der abgebildeten Person teilt oder zu teilen droht.

"Wir können über die Existenz digitaler Gewalt sprechen, wenn Frauen dem geringsten Druck ausgesetzt sind oder von Dritten im Internet. In Fällen wie Rachepornos gibt es einige Beispiele, wo sich Opfer selbst das Leben nehmen,“ so die Angaben von Ahi.

Keine Einzelfälle

Wie auch in mehreren Teilen der Welt sind auch in der Türkei mehrere Frauen digitaler Gewalt ausgesetzt. Erpressungen und sexuelle Übergriffe mit Drohungen von Veröffentlichungen privater Aufnahmen, die meist heimlich aufgenommen werden und an Familie und Freunde weitergegeben werden oder sollen, sind auch hier stark vertreten.

Die Weitergabe der privaten Aufnahmen führt dabei in der Türkei zu weiteren kriminalen Straftaten. Ein Beispiel ist die junge Seyma Yildiz. Sie wurde von ihrem eigenen Vater in der Hauptstadt Ankara getötet, da im Internet von ihr „unangemessene Bilder“ öffentlich waren.

Was tun?

Frauen, die dieser Art von Gewalt ausgesetzt sind oder waren, sollten sich definitiv an die Justizbehörden wenden. „Da die Beweise im digitalen Umfeld schnell verschwinden können, müssen unverzüglich rechtliche Schritte eingeleitet werden,“ merkte sie an.

„In der Phase des gerichtlichen Antrags sollten alle Beweise vorgelegt werden, die das Vorhandensein digitaler Gewalt belegen. Falls erforderlich, sollte zudem eine Aussetzung angeordnet werden. Das Bestehen von Zweifeln reicht dafür aus,“ fügte Ahi hinzu. Frauenrechtsgruppen und NGOs würden die Opfer dabei unterstützen oder beraten.

(gi)

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