Hürriyet

Experten befürchten zweite Corona-Welle in der Türkei

9.6.2020 15:49 Uhr

Dichtes Gedränge in Parks oder Einkaufsstraßen: Das Gesundheitsministerium und Experten des Corona-Wissenschaftsrats in der Türkei sind besorgt über den teilweise zu laschen Umgang der Bevölkerung mit der Corona-Pandemie.

Wenn die Menschen nicht weiter diszipliniert die Corona-Regeln (Mindestabstand, Mund-Nasen-Schutz) beachten würden, werde es wieder zu einem Anstieg der Covid-19-Fälle kommen, hieß es in einer Erklärung. Das Gesundheitsministerium hatte zuletzt vorhergesagt, dass nach dem Fastenmonat Ramadan die tägliche Neuinfektionen auf etwa 500 zurückgehen werde. Tatsächlich sind es aber noch immer zwischen 800 und 900.

Die Menschen glauben offenbar, dass das Coronavirus durch die Sommerhitze schwächer oder gar absterben würde, vermuten die Experten. Und weil die Corona-Maßnahmen von der türkischen Regierung immer weiter gelockert werden, herrsche die Meinung, die Pandemie sei überstanden, sagten sie der "Hürriyet".

Erdogan: "Wir müssen weiter wachsam bleiben"

Seit dem 1. Juni sind in der Türkei Restaurants, Cafés und Parks unter Auflagen wieder geöffnet und Reisebeschränkungen sowie Ausgangssperren wurden weitgehend aufgehoben. Präsident Recep Tayyip Erdogan richtete am Montag einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung. "Wir haben die Einschränkungen gelockert. Aber das bedeutet nicht, dass der Ausbruch vorbei ist. Wir müssen weiter wachsam bleiben und die Anweisungen der Experten befolgen", sagte er in einer Fernsehansprache und fügte an: "Auf den Intensivstationen liegen etwa 625 Patienten. Wir wollen viel weniger dort sehen."

Trotz der Sorgen des Gesundheitsamtes plant die türkische Regierung aber nicht, den Normalisierungs-Prozess in der Türkei wieder rückgängig zu machen. Stattdessen sollen die Kontrollen der Corona-Regeln verschärft werden und Kampagnen helfen, das Bewusstsein der Bürger für einen sorgsamen Umgang mit der Corona-Krise zu stärken.

Provinz Diyarbakır steht vor einer zweiten Corona-Welle

Wie ernst die Lage in einigen Teilen der Türkei wieder geworden ist, zeigen Berichte aus der südöstlichen Provinz Diyarbakır. Man stehe vor einer "zweiten Welle", erklärte die örtliche Gesundheitsbehörde. Die Corona-Fälle seien in nur einer Woche auf 300 gestiegen und die zwei Pandemie-Krankenhäuser in der Region bereits vollkommen ausgelastet.

(bl)

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