Hürriyet

Experte: Naturkatastrophen in der Türkei auch vom Menschen selbst verursacht

26.8.2020 10:22 Uhr

Häuser stürzten zusammen und in den Städten sowie Dörfern herrschte Chaos: Zuletzt kamen bei Sturzfluten in der nordöstlichen Provinz Giresun am Schwarzen Meer sieben Menschen um Leben. Wissenschaftler bemängeln nun, dass derartige Katastrophen nicht nur durch den Klimawandel ausgelöst werden, sondern auch vom Menschen selbst.

Oft seien die Gebäude in den gefährdeten Regionen in ihrer Substanz nicht auf entsprechende Naturereignisse vorbereitet und schlicht zu marode gebaut. "Egal ob am Berghang oder im Flussbett: Die Häuser werden mit der selben Struktur gebaut. Hinzu kommen noch die verschiedenen klimatischen Bedingungen. Dadurch ist eine Katastrophe unvermeidbar", sagte Professor Mikdat Kadıoglu, Meteorologe und Experte für Katastrophenmanagement, gegenüber der türkischen Tageszeitung "Hürriyet".

"Klima ändert sich, unsere Mentalität nicht"

Oft würden notwendige Vorkehrungen ignoriert und hochwassersichere Gebäude nicht mehr entwickelt, ergänzte er. Dabei gäbe es traditionelle Wege, ein Haus zu bauen. "Im Carsamba-Bezirk der Schwarzmeerprovinz Samsun zum Beispiel stellen die Menschen ihre Häuser auf Pfeiler, damit Sturzfluten ihre Häuser nicht beschädigen können", erklärte Kadioglu.

Er fügte hinzu, dass die Menschen dazu neigen, die Schuld für Naturkatastrophen auf den Klimawandel zu schieben, aber die eigenen Fehler nicht zu sehen. "Ja, das Klima verändert sich. Aber was sich nicht geändert hat, ist unsere Mentalität", sagte er.

Klare Forderung an Behörden

Der Professor forderte die zuständigen Behörden in der Türkei auf, bei zukünftigen Bauprojekten darauf zu achten, dass Häuser Naturkatastrophen standhalten können. Zudem appellierte er an die Bevölkerung, schlecht geplante Städte mit maroden Gebäuden zu verlassen und aufs Land zu ziehen.

(bl)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.