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EWE und Telekom kooperieren beim Glasfaserausbau

5.12.2019 23:09 Uhr

Beim Glasfaser-Internetausbau dürfen die Deutsche Telekom und der norddeutsche Regionalanbieter EWE künftig Hand in Hand gehen. Nachdem die Unternehmen Zusagen gemacht hatten und künftig zum Beispiel Wettbewerber auf ihre Leitungen lassen, gab das Bundeskartellamt am Mittwoch grünes Licht für einen gemeinsamen Ausbau. Einen entsprechenden Beschluss veröffentlichte die Bonner Behörde am Mittwoch.

"Kooperationen können unter den richtigen Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass die Netze zügig ausgebaut werden und die Versorgung der Haushalte mit hohen Bandbreiten schneller verbessert wird", erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. Es geht um das Marktgebiet der EWE, also vor allem um Niedersachsen - hier ist es das Gebiet nördlich einer Linie von Osnabrück bis vor die Tore Hamburgs. Hinzu kommen Bremen und in Nordrhein-Westfalen das nördliche Münsterland sowie Ostwestfalen-Lippe und Bielefeld. Die Kooperation ist aber auch für ganz Deutschland wichtig, denn sie könnte Modellcharakter haben für den zukünftigen Netzausbau im Land.

Ultraschnelle Netzverbindungen möglich

Mit Glasfaser-Leitungen kann ultraschnelle Internet-Verbindungen ermöglichen, die bis in den Keller (Fiber-to-the-Building, FTTB) oder sogar direkt in die Wohnungen (Fiber-to-the-Home; FTTH) gehen und nicht nur bis zum Verteilerkasten auf der Straße. Laut einer Marktstudie des Branchenverbandes VATM waren zuletzt nur 4,3 Prozent der genutzten Internetanschlüsse Glasfaserleitungen - ein Download-Speed von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde ist hier möglich. Die allermeisten Haushalte (72 Prozent) sind hingegen noch über herkömmliche Telefonkabel an das Netz angebunden und kommen zumeist nur auf bis zu 0,25 Gigabit pro Sekunde.

Diese Telefonkabel macht die Mehrheit der Netzleitungen der Deutschen Telekom aus. Konkurrent Vodafone setzt hingegen vor allem auf die schnelleren TV-Kabel, die immerhin auf bis zu ein Gigabit pro Sekunde kommen. Mit dem allmählichen Ausbauschwenk von Telefonkabel auf Glasfaser möchte die Telekom seine Infrastruktur für die in der Zukunft benötigten Datenmassen modernisieren und zugleich seine Marktposition gegenüber dem zuletzt erstarkenden Konkurrenten Vodafone verbessern.

Netz für alle Anbieter öffnen

Allerdings mussten die Telekom und EWE umfassende Zugeständnisse machen. So haben sie sich laut Kartellamt verpflichtet, andere Internetanbietern "diskriminierungsfrei" auf ihr Netz zu lassen - Konkurrenten könnten also Verträge verkaufen, ohne in der Region selbst Leitungen zu haben. Außerdem müssen die die beiden Firmen weiterhin unabhängig voneinander an Ausschreibungen teilnehmen, wo der Staat mangels Wirtschaftlichkeit den Ausbau fördert - also auf dem Land.

Zudem müssen die Partner in den nächsten vier Jahren 300 000 Anschlüsse neu mit Glasfaser versorgen. Damit werde in dem Gebiet "deutlich mehr ausgebaut als ursprünglich im Rahmen der Kooperation geplant und als bei einem unabhängigen Ausbau der Unternehmen zu erwarten wäre", heißt es vom Kartellamt. Branchenkenner äußerten sich verhalten. "Es ist gut, dass in dieser Region künftig mehr Glasfaser gebaut wird", sagte Prof. Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen. Da die Datenmassen in die Höhe schnellten, sei Glasfaser perspektivisch unverzichtbar. Keine gute Nachricht für den Verbraucher, sei, dass sich die beiden größten Marktteilnehmer in der Region künftig weniger Wettbewerb machen werden. Die Auflagen bewertete er als "Selbstverständlichkeiten".

Deutliche Kritik von Vodafone

Wettbewerber Vodafone reagierte mit deutlicher Kritik. Die Telekom und EWE planten "nichts Geringeres als ein neues Monopol in Norddeutschland", sagte ein Firmensprecher. Vodafone argwöhnt, dass das neue Gemeinschaftsunternehmen besonders dort Glasfaser-Leitungen verlegen werde, wo bereits TV-Kabel liegen und somit schon ein Gigabit-Downloadspeed möglich sei. Der Sprecher befürchtet, dass der Wettbewerb ausgebremst werde.

Auch der Branchenverband VATM meldete sich zu Wort, bei dem sowohl der Oldenburger Konzern EWE als auch Vodafone Mitglied sind. Das Bundeskartellamt habe sich "redlich Mühe gegeben, eine ausgewogene Entscheidung zu treffen", sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. "Mit neuen Ideen schlägt das Bundeskartellamt nun neue Pfade ein, die bislang weder vom deutschen Regulierer genutzt worden sind noch von der EU vorgesehen sind." Das Gemeinschaftsunternehmen heißt Glasfaser Nordwest, es wird noch in einem separaten Strang vom Bundeskartellamt durchleuchtet. EWE und Telekom teilten mit, man habe "immer gesagt, dass die Glasfaser Nordwest die modernste Infrastruktur im Nordwesten errichten und diese diskriminierungsfrei allen interessierten Telekommunikationsanbietern zur Verfügung stellen wird".

(ce/dpa)

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