epa/Hayoung Jeon

Europa erlebt schweren ökonomischen Schock

18.3.2020 22:58 Uhr

Angesichts der wachsenden Gefahr einer Rezession hat EZB-Direktorin Isabel Schnabel eine engere Zusammenarbeit in Europa in der Coronavirus-Krise gefordert. "Es braucht jetzt europäische Solidarität, auch finanziell. Das ist im Interesse aller Länder Europas", sagte Schnabel in einem am Mittwoch auf der Homepage der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlichten Interview.

Nach Einschätzung der EZB-Direktorin ist die Wahrscheinlichkeit einer Rezession "spürbar" gestiegen. "Wir erleben einen sehr schweren ökonomischen Schock." Zuletzt war die Notenbank von einem Wachstum im Euroraum von 0,8 Prozent in diesem Jahr ausgegangen. "Wir werden die Prognose mit Sicherheit deutlich nach unten korrigieren müssen", sagte Schnabel, die bei der Notenbank unter anderem für die Umsetzung der geldpolitischen Beschlüsse zuständig ist.

Gemeinsame europäische Lösung

"Wir benötigen in Europa eine starke gemeinsame Antwort in der Fiskalpolitik", forderte die Ökonomin. Die Krise sei nicht auf einzelne Mitgliedsstaaten begrenzt. "Alle sind betroffen, und was in einem Mitgliedsstaat passiert, betrifft auch alle anderen. Ich hoffe, dass das den Entscheidungsträgern bewusst ist." Die Geldpolitik könne diese Krise nicht allein beheben.

Die Entwicklung werde auch Auswirkungen auf die Banken haben: "Aber eine akute Bankenkrise gibt es derzeit nicht", betonte Schnabel. Die EZB beobachte die aktuelle Lage allerdings sorgfältig.

Europas Währungshüter hatten vergangene Woche ein Bündel von Maßnahmen gegen wirtschaftliche Folgen der Coronavirus-Pandemie beschlossen. 120 Milliarden Euro zusätzlich wird die EZB bis zum Ende dieses Jahres in Anleihenkäufe stecken. Mit Hilfe besonders günstiger Langfristkredite wollen die Währungshüter Banken ferner dazu bewegen, vor allem kleine und mittelgroße Firmen mit Geld zu versorgen. Zudem stellten weltweit führende Notenbanken die Versorgung des Finanzsystems mit der Weltreservewährung US-Dollar sicher. Bislang sind die Maßnahmen an den Aktienmärkten aber weitgehend verpufft.

(an/dpa)

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