Symbolbild: imago/PhotoAlto

Erzbistum München: Ermittler prüfen 100 Missbrauchsfälle

7.2.2019 21:18 Uhr

Gegen über 100 katholische Priester des Erzbistum Münchens werden nun systematisch Missbrauchsvorwürfe aus den letzten Jahrzehnten überprüft - bis ins Jahr 1946. Dies teilte die Münchner Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Und das wenige Tage, nachdem Papst Franziskus zum ersten Mal über den Missbrauch von Nonnen durch Priester gesprochen hat.

Die Kirche habe den Ermittlern die Akten zur Verfügung gestellt, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst. "Wir werden jetzt schauen, inwieweit bei diesen Personen verfolgbare Straftaten vorliegen."

Nur in wenigen Fällen wohl ein Strafverfahren

Die Betonung liegt nach Kornprobsts Worten auf "verfolgbar": Denn viele der Betreffenden sind nicht mehr am Leben, in anderen Fällen sind die Vorwürfe verjährt. Und bei 13 Fällen habe es bereits in der Vergangenheit Ermittlungen gegeben, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt. "Die Erhebungen bei der Erzdiözese gehen sehr weit zurück, meines Wissens bis 1946. Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass allenfalls in sehr wenigen Fällen die Einleitung eines Strafverfahrens in Betracht kommt."

"Stunde der Wahrheit"

Die 100 Verdächtigen sind nach Kornprobsts Worten sämtlich "aus dem priesterlichen Bereich". Absehbar ist aber, dass die Überprüfung ausgeweitet wird. Die Kirche habe angekündigt, weitere Akten "aus dem nichtpriesterlichen Bereich" zur Verfügung zu stellen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, hat sich mehrfach für eine gründliche Aufklärung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ausgesprochen. Im November sprach Marx in einer Predigt von der "Stunde der Wahrheit" für die Kirche.

(be/dpa)