dpa

Experte: Erste Anschläge des IS auf türkische Einrichtungen in Europa

12.5.2020 9:07 Uhr

Nach Angaben des renommierten Extremismusforscher Peter Neumann sind Anschläge auf türkische Geschäfte in Waldkraiburg in Bayern durch einen mutmaßlich islamistischen Täter neu. Es sei das erste Mal, dass ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat türkische Ziele in Europa ins Visier genommen habe. "Es ist wirklich ungewöhnlich, dass er sich gegen Türken gewendet hat", sagte der Politikwissenschaftler am King's College in London.

"Anschläge auf türkischstämmige Menschen ohne kurdischen Hintergrund sind in Europa ein wirkliches Novum", erklärte Neumann. "Mehr Sinn hätte es gemacht, wenn es Anschläge auf Kurden gegeben hätte, das waren ja die Hauptfeinde des IS." Hintergrund der neuen Zielrichtung könne die schärfere Gangart der türkischen Regierung gegen den IS sein, vor allem auch in der grenznahen syrischen Provinz Idlib.

Hoher Grad an Radikalisierung

Dass die Anschläge sich gegen türkische Bewohner richteten und nicht gegen offizielle türkische Einrichtungen wie eine Botschaft, lasse auf einen hohen Grad der Radikalisierung schließen. Der mutmaßliche Täter habe damit die Menschen als Vertreter des türkischen Staates und als mitverantwortlich für dessen Politik betrachtet.

Seit April waren in Waldkraiburg die Scheiben dreier türkischer Läden eingeschlagen und ein Feuer in einem Gemüseladen gelegt worden. Sechs Menschen wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter sitzt wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

<h4></h4>(an/dpa)

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