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Erschreckend viele Corona-Tote in Schweden

15.4.2020 21:49 Uhr

Wird Schweden der Sonderweg in der Corona-Krise zum Verhängnis? Inzwischen sind in dem skandinavischen Land mehr als tausend Menschen durch das neuartige Coronavirus gestorben.

Wie die schwedische Gesundheitsbehörde mitteilte, stieg die offizielle Zahl der Corona-Toten binnen 24 Stunden um 114 auf 1033 Fälle. Die finnischen Gesundheitsbehörden riefen derweil dazu auf, im öffentlichen Raum selbstgenähte Stoffmasken zu tragen.

Tatsächliche Zahl wohl noch höher

Möglicherweise könnte die tatsächliche Zahl der Toten nach Angaben der schwedischen Gesundheitsbehörde noch höher sein, da über das Osterwochenende nicht alle Fälle gemeldet worden sein könnten. Insgesamt 11.445 Infektionen wurden demnach nachgewiesen. Damit ist die Sterberate bei den Corona-Infektionen in Schweden deutlich höher als bei seinen nördlichen Nachbarländern.

Das 10,3-Millionen-Einwohner-Land hat mit deutlich weniger Einschränkungen als andere europäische Länder auf die Corona-Pandemie reagiert. So wurden keine Ausgangsbeschränkungen verhängt. Zu den am weitesten reichenden Maßnahmen in Schweden zählen ein Versammlungsverbot für Gruppen von mehr als 50 Menschen und ein Besuchsverbot in Altersheimen. Dennoch hat sich die Kurve der Corona-Todesfälle über Ostern den Behörden zufolge deutlich abgeflacht.

Finnen ändern ihren Weg

Derweil änderten die finnischen Gesundheitsbehörden ihre offiziellen Empfehlungen zum Thema Mundschutz. "Ich empfehle den Menschen, Stoffmasken zu tragen, um andere vor einer möglichen Infektion zu schützen", sagte Markku Tervahauta, Leiter der nationalen Gesundheitsbehörde, der Zeitung "Helsingin Sanomat". Zwar seien Stoffmasken für Menschen mit Atembeschwerden oder Kinder nicht geeignet, jedoch seien die "Vorteile für die Bevölkerung eindeutig größer als die Nachteile".

Jüngste Studien zeigten seinen Angaben zufolge, dass das Virus von Menschen ohne erkennbare Symptome stärker als bisher angenommen verbreitet wird. Die Empfehlung zum Tragen von Stoffmasken werde jedoch nicht als offizielle Anordnung mit Gesetzescharakter ausgesprochen, da die Behörden weder Qualität noch Verfügbarkeit von selbstgenähten Stoffmasken überprüfen könnten.

Zuvor hatten die finnischen Behörden die Position vertreten, dass das Tragen von Mundschutz nicht zur Verlangsamung der Virus-Verbreitung beitrage. Finnland folgte zunächst den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nach denen Atemschutzmasken nur von Menschen verwendet werden sollten, die selbst infiziert sind oder infizierte Menschen medizinisch behandeln oder pflegen.

(bl/afp)

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